Initiative für eine gerechte Geburtshilfe in Deutschland - Information, Austausch, Diskussion.
Initiative für eine gerechte Geburtshilfe in Deutschland - Information, Austausch, Diskussion.

"Politik der Geburt" - erfolgreicher Workshop und Treffen von Geburtsexpertinnen in Gießen

Kommentar zu "Politik der Geburt" - Workshop in Gießen am 21.10.2016

Mascha Grieschat - 23.10.2016

 

Zurück vom Workshop "Politik der Geburt" an der Uni-Gießen bin ich hoch erfreut: Geburtsexpertinnen aus unterschiedlichsten Fachbereichen diskutierten und informierten über das Thema "Gebären und Geburt" im Kontext von u.a. Gender Studies, Politik und Recht.
 
Ein wichtiger Schritt für eine gerechtere Geburtshilfe in Deutschland ist getan. Alle sind sich sicher: Das wird ein Wiedersehen geben!
 
Unter dem Link zur erfolgreichen Veranstaltung vergangenen Freitag, den 21.10.2016 - findet sich auch eine Weiterleitung zum "vollen" Programminhalt (10 Vorträge mit vier verschiedenen Moderatorinnen). Auch die Roses Revolution Deutschland, das "Netzwerk der Elterninitiativen für Geburtskultur" und Mother Hood e.V. wurden vorgestellt. Gewalt in der Geburtshilfe war ebenso Thema wie beispielsweise die Arbeitssituation in Kliniken. Viele Forderungen nach z.B. einem verbesserten tatächlich wohnortnahen Angebot für Geburtshilfe, welches sich durch Beziehung zur Gebärenden auszeichnet, wurden laut. Hebammenverbandsvertreterinnen waren im kleinen Kreis mit Elternvertreterinnen und renommierten Wissenschaftlerinnen und Gynäkologinnen in der Diskussion.
 
 
Hier ein kleiner Einblick in die Inhalte: Im Vortrag von Silja Samerski blieb ich an der Beschreibung, welcher zu der "entmündigenden Selbstbestimmung" von Frauen unter der Geburt und in der Schwangerschaft führt, hängen. Dieser Fakt ist eigentlich bekannt:  die Frau entscheidet zwar offiziell selbst, tut es im Grunde aber doch nicht. Sie wird mit Daten (Statistiken, Risiken etc.) 'gefüttert' und sollen am Ende ihre 'perfekte' Entscheidung gleich eines Computers 'errechnen'. Die tatsächlichen persönlichen Bedürfnisse geraten da schnell in den Hintergrund. Die Forscherin gab einem die Worte, die unhaltbare Situation von "Nicht-echter-Selbstbestimmung" im Kreißsaal zu benennen und beschreibt sie mit der "programmierten Entscheidung". Diese Entscheidung ist eben nicht mehr frei. Die Frau wird letztlich entmündigt. Für fast alle ist deutlich, dass Handlungsbedarf besteht.
 
Als letztes gilt der Dank an die Idee für diesen wichtigen Workshop sowie die hervorragende Organisation von Dr. Tina Jung!
 

"Nein heißt Nein" - für Wahrung der Rechte im Kreißsaal

Kommentar zu Einigung im Sexualstrafrecht: Nein heißt nein

GG - 25.06.2016

Es gibt auch andere Bereiche im Leben einer Frau, in denen ein "NEIN" nicht als solches akzeptiert wird. Ein Blick in die Geburtshilfe zeigt auf, dass ein "NEIN" (auch schriftlich) vor einer Intervention wie Dammschnitt oder Kaiserschnitt im Kreißsaal viel zu oft nichts zählt. Diese operativen Eingriffe werden routinemäßig auch gegen den (ausdrücklichen) Willen der Frau durchgeführt. (‪#‎rosrev‬)

Andere - wenige - Frauen berichten davon, dass sie eine vaginale Geburt für sich... nicht wollen und einen Kaiserschnitt bevorzugen und auch ihr "NEIN" nicht einfach akzeptiert würde. 'Man' glaubt, im Sinne der Frau zu entscheiden - für sie. Der interessante Schnittpunkt zum Sexualstrafrecht mit der Gewalt in der Geburtshilfe: Die Frau trifft eine Entscheidung für sich, für ihren Körper (für ihr Baby) und diese lautet: "NEIN" (egal ob gegen Dammschnitt, Kaiserschnitt, Vaginalgeburt, PDA oder - ). Doch berücksichtigt wird dieser Wille nicht. Da wird überredet, gedroht ("wollen Sie, dass ihr Kind stirbt?") oder eben doch einfach gemacht. Verletzungen bleiben zumeist straffrei. Es wäre wünschenswert, das Recht auf Unversehrtheit mit allen Mitteln zu schützen. Und da die Geburt letztlich zu den sexuellen Erfahrungen im Leben einer Frau gehört, sollte das Sexualstrafrecht (wenn das Patientenrecht dies offensichtlich nicht ausreichend abdeckt) die Rechte der Frau auf Unversehrtheit und in Bezug auf die Geburtshilfe auch auf die bestmögliche Behandlung in Zukunft besser berücksichtigen. Leider gibt es eben nicht ohne Grund im Amerikanischen den Begriff "Birth Rape" - von detaillierten Beschreibungen solcher gewalttätigen (psychisch und/oder physisch) Geburtshilfe - sehe ich an dieser Stelle ab. (Hier findet sich eine Definition von Gewalt in der Geburtshilfe) Bei Interesse kann man auch Beispiele nachlesen in "Gewalt unter der Geburt" (Mundlos, Tectum-Verlag 2015) Und es gibt auch online eine Vielzahl von Betroffenen, welche ihre traumatisierenden Geburtsgeschichten - ca. 99% (unbestraft) - auf der "Roses Revolution Deutschland"-Facebook-Seite teilen, am ‪#‎Nov25‬ kommen wieder neue hinzu.... ‪#‎NeinheißtNein‬

Ein Herz für GUTE Hebammen

Kommentar zur HOMMAGE AN DIE HEBAMMEN -

"Diese Bilder sind eine Hommage an die Hebammen!" - Brigitte Mom MAi 2015. Ein Fotoprojekt, initiiert von 16 Frauen, würdigt Hebammen an ihrem Arbeitsplatz. Der Artikel macht auf die aktuelle Petition aufmerksam.

Leider bleibt eine Hommage an die Hebammen - so oft es gute Hebammenhilfe gibt - in der Realität für viele nur Wunschdenken. Es ist wichtig, dass auch Frauen/Familien die Petitionen unterschreiben und sich für bessere Geburtskultur einsetzten, wenn sie keine gute Hebammenhilfe erhielten, weil z.B. die Klinik zu voll war, die Hebamme überarbeitet oder fachlich schlecht ausgebildet. Für was sollen diese sich bedanken: für CTG-Überwachung und Infusionskontrolle? Oder den fiesen Spruch: "Na, das geht ja gar nicht voran bei Ihnen. Sie müssen sich auch anstrengen. Ich geb Ihnen jetzt mal was." – oder für die Intervention ohne Aufklärung und Zustimmung?

 

Allein der Satz des Brigitte-Artikels: "Die Geburt eines eigenen Kindes ist ein umwerfendes Erlebnis." – ist an Zynismus kaum zu überbieten: Denn viele Mütter haut es um - und zwar für Jahre in die Wochenbettdepression oder posttraumatische Belastungsstörung. "Danke für gar nichts!" würden diese sagen und sich fragen, warum sie eine "Rettet die Hebammen"-Petition unterschreiben sollen. Doch wenn nicht jetzt, wann dann soll die Geburtskultur wieder in die richtigen Bahnen gelenkt werden und den Bedürfnissen von Familien, Müttern und ihren Babys gerecht werden?

 

Ca. 10% aller Mütter sind nach Geburten traumatisiert (#rosrev). Auch wenn dies oft systemisch begründet ist, sind Hebammen daran nicht unbeteiligt. Denn sie sind es letztlich, die viel zu oft - unbewusst oder bewusst - vielleicht durch Routine oder Zeitmangel psychische, physische oder verbale Gewalt ausüben. Dies geschieht nicht allein durch Ärzte und erst recht nicht allein durch schicksalshafte schwere Geburten. Denn gut betreut, kann auch eine komplikationsreiche Geburt ein positives Erlebnis werden. Allein den kompetenten Hebammen, die dies ermöglichen, gilt uneingeschränkter Dank, und nicht "den anderen", die routinemäßig in gesunde Geburtsprozesse eingreifen und Frauen auf ekelhafte Weise traumatisieren – denn ja, die gibt es auch. Die Geburtsgeschichten (Facebook-Gruppe) sind haarsträubend und nur ein Einblick in die unromantische Kreißsaalrealität. Hebammen, die diese Geburten "betreuten", gebührt zwischen einer ernsten und nachdrücklichen Rückmeldung und einem Berufsverbot alles andere als "DANK". Wie kann man hier die Qualität sichern, ist die Frage?

 

Gerne würde ich den Brigitte-Mom-Text korrigieren, da er im Original leider nicht den Tatsachen entspricht.

 

'[Die Geburt eines eigenen Kindes SOLLTE ein umwerfendes, EIN POSITIVES UND KRAFTBRINGENDES Erlebnis SEIN. Gut, WENN Hebammen einem dabei Halt geben KÖNNEN. ... Hebammen SOLLTEN qualifizierte Profis SEIN, die bei einer Geburt viel mehr als nur den medizinischen Aspekt im Auge HABEN sowie Geduld und Liebe MITBRINGEN (KÖNNEN). ...
Hebammen SOLLTEN zu den aufrichtigsten und gebenden Menschen auf der Erde GEHÖREN. Sie SOLLTEN nicht nur mit ihren ZU BETREUUENDEN MÜTTERN [nicht Patientinnen!], sondern mit der ganzen Familie INTERAGIEREN. Sie SOLLTEN sich die Zeit NEHMEN (KÖNNEN), um mit den Frauen über ihre Geburtswünsche zu sprechen, sie ERMUTIGEN, ihrem Körper zu vertrauen, SOLLTEN Ängste und Sorgen VERTREIBEN und vor, während und nach der Geburt Bestätigung und Unterstützung GEBEN (KÖNNEN).]'

 

Der Dank gilt also allen KOMPETENTEN Hebammen, die Müttern, Babys, Familien eine solch individuelle und menschenwürdige Geburtsbetreuung ermöglichen, vor allem aber den Hebammen, die es sich mehr und mehr zur Aufgabe gemacht haben, traumatisierten Frauen wieder Halt zu geben, ihnen auf dem Heilungsweg zu helfen oder vielleicht zu weiteren Kindern zu ermutigen. Euch gilt diese Hommage von ganzem Herzen!

 

Damit gerechte Geburtshilfe in Zukunft für alle möglich ist, sind die aktuelle Petition bei www.change.org/elternprotest sowie die Forderung für eine 1:1-Betreuung nach wie vor sehr wichtig!

Gerechte Geburt, 11. Mai 2015

 

 

Stand: 19.07.2017

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