Initiative für eine gerechte Geburtshilfe in Deutschland - Information, Austausch, Diskussion.
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Pressemitteilung Roses Revolution Deutschland

 

Respektvolle Geburt?

Die Auswertung der Roses Revolution Deutschland dokumentiert inakzeptablen Umgang mit Gebärenden

Berlin/Bonn/Hamburg, 16. Mai 2017

 

 

Jedes Jahr, in der 3. Maiwoche, findet die IWRC (International Week for Respecting Childbirth), eine Initiative der ENCA (European Network of Childbirth Associations), statt. Anlässlich der internationalen Woche für Respektvolle Geburt geben die Organisatorinnen der „Roses Revolution Deutschland“, einer Aktion gegen Respektlosigkeit und Gewalt in der Geburtshilfe, ihre Auswertung von 2016 bekannt. Alle Einsendun­gen, die am vergangenen 25. November, dem globalen Aktionstag, eingegangen sind, wurden berück­sichtigt. Die 176 Berichte, Fotos und Briefe sind auf der gleichnamigen Facebook-Seite ver­öffent­licht. Sie zeigen auf er­schütternde Weise, wie mit Frauen während der Schwanger­schaft, der Geburt und im Wochen­bett umge­gangen wird. Für mehr als 20 Pro­zent der rund 770 Einrich­tungen in Deutschland wurden ge­waltsame Vor­fälle dokumentiert. Symbolisch erhielten viele eine rosa­farbene Rose.

 

Foto: Aktionstag „Roses Revolution Deutschland“, 25.11.2016, Fotodokumentation einer Rosenniederlegung, anonym.

Von Einzelfällen kann bei dieser hohen Zahl nicht mehr gesprochen werden“, sagt Halina Koglin, eine der vier Organisatorinnen der Kampagne.

„Durch die Roses Revolution bekommen die betroffenen Frauen eine Stimme und können mitteilen, was ihnen widerfahren ist. Sie spüren, dass sie nicht alleine mit ihrer Erfahrung sind. Vielen hilft es dabei, das Erlebte besser zu verarbeiten“, sagt die Psychologin und Mit-Organisatorin Claudia Watzel.

Genaue Zahlen zu gewaltsamen Geburtserfahrungen sind unbekannt

Experten schätzen, dass bis zur Hälfte aller Gebärenden betroffen sind. Das Ausmaß für die Familien ist katastrophal. Oft leiden die Frauen, Kinder und Partner noch Jahre später. Bereits 2002 wurde festgestellt, dass Mütter nach negativen Geburtserlebnissen im Schnitt seltener oder erst später ein weiteres Kind bekommen. Bei Mutter und Baby können Stillprobleme auftreten oder Schwierigkeiten, eine sichere Bindung aufzubauen.

Gewalt ist vielfältig

Gewalt in der Geburtshilfe bedeutet nicht nur körperliche Misshandlung. Auch Beleidigun­gen, Geringschätzung und fehlende Zuwendung empfinden viele Frauen als gewaltsam.

Hinzu kommen medizinische Routineeingriffe, die wissenschaftlich seit Jahren widerlegt sind, doch täglich in Kliniken ohne Aufklärung und Einwilligung durchgeführt werden. Auch die viel zu hohe Damm- und Kaiserschnittrate sowie Operationsverletzungen bezeugen eine qualitativ mangelhafte und nicht-evidenzbasierte Geburtshilfe.

Häufig ist Gewalt strukturell bedingt. In einer personell unterbesetzten Geburtshilfe können sich Geburtshelferinnen nicht angemessen um die Gebärenden kümmern. Die vielerorts fehlende einfühlsame Geburtsbegleitung schadet Müttern und Kindern.

Politik schaut weg

Die Weltgesundheitsorganisation mahnt bereits seit 2015 offiziell, „Misshandlungen in geburtshilflichen Einrichtungen“ konsequent zu vermeiden. Doch politisch passiert nichts.

„Seit Beginn der Kampagne im Jahr 2013 fordern wir das Bundesministerium für Gesundheit dazu auf, Stellung zu beziehen und offiziell Daten zu erheben. Doch das Problem wird konsequent ignoriert“, sagt Mit-Organisatorin Dr. Katharina Hartmann.

Prävention und schnelle Hilfe

Um Familien vor physischer und psychischer Gewalt während Schwangerschaft, Geburt und im Wochenbett zu schützen, fordern wir grundlegende strukturelle Änderungen in der Geburtshilfe. Dazu zählt zum Beispiel ein besserer Personalschlüssel für die Geburts­begleitung sowie ein Umdenken bezüglich des nicht-indizierten Einsatzes von medi­zinischen Eingriffen.

Nach einer gewaltsamen Geburtserfahrung fehlen schnelle, niedrigschwellige Angebote, wo die Familien qualitative, spezialisierte und kostenfreie Hilfe erhalten.

Patientenrechte gelten auch während der Geburt

„Wir haben viel erreicht, aber es bleibt noch mehr zu tun! Zwar sind immer mehr Frauen bereit, von negativen Erfahrungen zu berichten und Übergriffe öffentlich anzuklagen, doch das Bewusstsein, dass Patientenrechte auch während Schwanger­schaft und Geburt gelten, wächst nur langsam“, so Mascha Grieschat, Organisatorin der Roses Revolution Deut­sch­land.

Es braucht noch mehr Unterstützung seitens der Politik, mehr Hinsehen und Auf­klärung darüber, dass es Respektlosigkeit, Gewalt und Demütigung in der Schwan­ger­schaft, Geburt und im Wochenbett gibt und so wird es auch in diesem Jahr am 25.11.2017 wieder viele Rosenniederlegungen und Berichte geben.

Quellen:

Gottvall K., Waldenstrom U.: Does a traumatic birth experience have an impact on future reproduction? BJOG. 2002 Mar; 109(3): 254–60. IN: 2005-06-12 - Hebamme.ch, S.12.

Mundlos, Christina (2015): „Gewalt unter der Geburt“ Tectum-Verlag, Marburg.

WHO (2015): „Vermeidung und Beseitigung von Geringschätzung und Misshandlung bei Geburten in geburts­hilf­lichen Einrichtungen: http://apps.who.int/iris/bitstream/10665/134588/22/WHO_RHR_14.23_ger.pdf?ua=1

 

www.gerechte-geburt.de | www.humanrightsinchildbirth.com | www.rosesrevolution.com

 

Die vollständige Pressemitteilung mit Kontaktdaten finden Sie in der PDF (598 KB).

Roses Revolution Deutschland - Auswertung des letzten Aktionstags
- Pressemitteilung -
PM Auswertung RosesRev 16.05.2017.pdf
PDF-Dokument [653.8 KB]

Pressemitteilung von Roses Revolution 2016

Gewalt in der Geburtshilfe erschreckend aktuell – Betroffene beteiligen sich am 25. November 2016 mit der Roses Revolution am weltweiten Aktionstag

Berlin/Bonn/Hamburg, den 12.Oktober 2016

 

Da ich mich weigerte mich hinzulegen, (…) wurde ich kurzer­hand ge­gen meinen Willen von vier Menschen auf das Gebärbett getra­gen (…).

- Zitat eines Geburtsberichts vom letzten Jahr.

 

Weltweit legen Frauen am 25. November rosafarbene Rosen vor die Kreißsaaltüren, hinter denen ihnen Gewalt angetan wurde, und setzen ein Zeichen gegen Respektlosigkeit und Gewalt in der Geburtshilfe. Wer mag, schreibt einige erklärende Zeilen dazu und macht ein Foto, welches über soziale Netzwerke verbreitet wird und die Aktion dokumentiert. Zusätzlich werden anonym Geburtsberichte veröffentlicht. In Deutschland wird die Kam­pagne ehrenamtlich von einem Team aus vier Frauen mit ganz unter­schied­lichen Geburtserfahrungen betreut.

 

Im vierten Jahr der Protestaktion sagt Mascha Grieschat, Koordinatorin der Roses Revolution Deutschland: „Wir haben viel erreicht, aber es bleibt noch mehr zu tun! Zwar sind immer mehr Frauen bereit, von negativen Erfahrungen zu berichten und Übergriffe öffentlich anzuklagen, doch das Bewusstsein, dass Patientenrechte auch während Schwangerschaft und Geburt gelten, wächst nur langsam.“ Viel zu oft werden die Grundrechte auf körperliche Unversehrtheit, auf Aufklärung, Information und Einver­ständ­niserklärung durch Geburts­helfer verletzt, sodass im November 2016 wieder erschreckende Geburtsberichte den alltäglichen Skandal von Respektlosigkeit, Beleidigung und Körperverletzung bezeugen werden.

 

Obwohl die WHO seit zwei Jahren explizit dazu auffordert, „Misshandlungen in geburtshilflichen Einrichtungen“ konsequent zu vermeiden, passiert politisch nichts, um Frauen und Kinder vor phy­si­scher und psychischer Gewalt [...]"

 

Die vollständige Pressemitteilung mit Kontaktdaten finden Sie in der PDF (598 KB).

 

Pressemitteilung - Roses Revolution 2016
RosRev Pressemitteilung 12.10.2016.pdf
PDF-Dokument [597.6 KB]

Hintergrundinformationen zur Aktion "Roses Revolution Deutschland".


Facebook-Seite: Roses Revolution Deutschland

Pressemitteilung von Roses Revolution 2015

"Schluss mit Misshandlung schwangerer Frauen
WHO sieht Folgen für Mütter und Kinder –

Betroffene protestieren am 25. November mit der Roses Revolution

Bonn/Hamburg, den 25. Oktober 2015

 

 

Beleidigendes Verhalten und Körperverletzung von Frauen durch Geburtshelfer sind erschreckend normal. Es wird gesellschaftlich akzeptiert, dass Frauen während der Geburt ihres Kindes misshandelt werden. „Geburt tut halt weh“, heißt es im Allgemeinen, auch in Deutschland. Dass dieser Zustand nicht länger so hingenommen werden soll, erläutert eine Erklärung der Gesundheitsorganisation der Vereinten Nationen (WHO). In dieser heißt es: „Frauen in aller Welt erfahren unter der Geburt in geburtshilflichen Einrichtungen eine missbräuchliche und vernachlässigende Behandlung. [...] Ein Umgang dieser Art kann sowohl für die Mutter als auch für den Säugling unmittelbar negative Folgen haben.“ Das Europäische Network of Childbirth Associations (ENCA) hat „Gewalt in der Geburtshilfe“ zum Thema seiner nächsten Konferenz gemacht und pünktlich zur Frankfurter Buchmesse ist ein Buch mit Berichten betroffener Eltern und Geburtshelfer erschienen (C. Mundlos: „Gewalt unter der Geburt. Der alltägliche Skandal“ Tectum Verlag). Das Problem wird sichtbarer.

 

Bestärkt durch die WHO-Erklärung und die beginnende gesellschaftliche [...]"

 

Ganze Pressemitteilung in der PDF (3,1 MB) - siehe unten.

 

 

Ansprechpartnerinnen:

 

Dr. Katharina Hartmann (Political Activism Coordinator von Human Rights in Childbirth Deutschland) katharina@humanrightsinchildbirth.com Telefon: 0151-629 700 70

Mascha Grieschat (Gründerin „Gerechte Geburt“)  mascha.grieschat@gerechte-geburt.de

Dipl.-Psych. Claudia Watzel (Mother Hood e.V.) c.watzel@mother-hood.de


Facebook: Roses Revolution Deutschland


Web:

www.gerechte-geburt.de
www.humanrightsinchildbirth.com
www.rosesrevolution.com

Pressemitteilung - Roses Revolution 2015
Roses Revolution 2015 - Pressemitteilung[...]
PDF-Dokument [3.1 MB]

Pressemitteilung von Roses Revolution - 2014

Schluss mit Gewalt in der Geburtshilfe!

Schätzungen: jede zehnte Schwangere betroffen - Gewaltopfer protestieren am 25. November - WHO fordert Maßnahmen gegen Gewalt in der Geburtshilfe

Bonn/Hamburg, den 25. September 2014



Gewalt in der Geburtshilfe ist ein alltägliches, globales Problem. Auch in Deutschland. Das hat die Gesundheitsorganisation der Vereinten Nationen (WHO) jetzt zu einer offiziellen Erklärung veranlasst: „Jede Frau hat das Recht auf den bestmöglichen Gesundheitsstandard. Das beinhaltet das Recht auf achtsame, respektvolle Behandlung während Schwangerschaft und Geburt ebenso wie das Recht auf Gewaltfreiheit und den Schutz vor Diskriminierung.“ Doch während Venezuela und Mexiko seit 2007 ein Gesetz dagegen haben und Argentinien 2009 nachgezogen hat, ist das Thema in Deutschland tabu.

Daher wird am 25. November 2014 zum zweiten Mal die Roses Revolution Deutschland begangen – die Aktion gegen Gewalt in der Geburtshilfe. Weltweit legen Frauen an diesem Tag eine rosafarbene Rose vor die Kreißsaaltür, hinter der ihnen Gewalt angetan wurde.Wer mag, schreibt einige erklärende Zeilen dazu und macht ein Foto, welches über soziale Netzwerke verbreitet wird und die Aktion dokumentiert.

Bereits 2013 haben Hunderte von Frauen Rosen vor die Türen der Kreißsäle gelegt. Dieses Jahr werden es noch mehr sein. Das Bewusstsein wächst, dass körperliche Unversehrtheit und das Grundrecht auf Aufklärung, Information und Einverständniserklärung auch für schwangere Frauen und Gebärende gilt.

 

Dr. Katharina Hartmann, Initiatorin der Roses Revolution Deutschland erklärt: „Oft wird aus Routine Gewalt: Für die Geburtshelfer kann ein Ablauf völlig normal sein, der von der betroffenen Frau als traumatischer Übergriff auf ihren Körper empfunden wird. Ein klassisches Beispiel dafür sind die vaginalen Untersuchungen zur Feststellung des Geburtsfortschrittes oder auch das erzwungene Stillliegen während der CTG-Überwachung: als medizinische Prozedur sind sie äußerst fragwürdig. Von vielen Frauen werden sie als schmerzhafter Übergriff empfunden. Aber die Frauen stellen die Maßnahmen nicht in Frage, obwohl sie sich misshandelt fühlen, weil es von den Geburtshelfern und ihrer Umgebung als völlig normal hingestellt wird. Das ist es aber nicht! Für eine gesunde Geburt reicht es nicht, dass Mutter und Kind leben – es ist an der Zeit, dass wir endlich achtsam mit den werdenden Müttern und ihren Kinder umgehen! Die Rückmeldungen der Frauen an uns und andere Organisationen lassen verstehen, dass Gewalt in der Geburtshilfe derzeit auch in Deutschland ein gesellschaftlich akzeptiertes Massenphänomen ist. Experten schätzen, dass 10% aller gebärenden Frauen betroffen sind. Das muss anders werden!“

Ziel der Roses Revolution ist somit, den Geburtshelfern eine Rückmeldung zu geben: Erhält ein Kreißsaal eine Rose, ist dies ein Grund, über das eigene Handeln nachzudenken, denn es gibt eine Frau, die die Behandlung als Misshandlung empfunden hat. Was kann verändert werden, um in Zukunft Misshandlungen zu vermeiden? „Oft sind es kleine Veränderungen“, sagt Frau Dr. Hartmann „die den Unterschied machen: beispielsweise Frauen vor Prozeduren um Erlaubnis fragen und ein Nein als solches akzeptieren. Die meisten der als traumatisch empfundenen Übergriffe sind medizinisch einfach nicht notwendig.“

 

Zudem ist die Aktion für viele Frauen ein wichtiger Teil der Trauer- und Traumaarbeit. „Letztes Jahr haben uns viele Frauen kontaktiert und erzählt, wie tröstend sie die Niederlegung der Rosen empfunden haben“, berichtet Frau Dr. Hartmann weiter. „Endlich wird ihre Wahrnehmung der Ereignisse ernst genommen und sie können dem Erlebten einen Ausdruck geben. Zudem fordern wir mit der Roses Zudem ist die Aktion für viele Frauen ein wichtiger Teil der Trauer- und Traumaarbeit. „Letztes Jahr haben uns viele Frauen kontaktiert und erzählt, wie tröstend sie die Niederlegung der Rosen empfunden haben“, berichtet Frau Dr. Hartmann weiter. „Endlich wird ihre Wahrnehmung der Ereignisse ernst genommen und sie können dem Erlebten einen Ausdruck geben. Zudem fordern wir mit der Roses Zudem ist die Aktion für viele Frauen ein wichtiger Teil der Trauer- und Traumaarbeit. „Letztes Jahr haben uns viele Frauen kontaktiert und erzählt, wie tröstend sie die Niederlegung der Rosen empfunden haben“, berichtet Frau Dr. Hartmann weiter. „Endlich wird ihre Wahrnehmung der Ereignisse ernst genommen und sie können dem Erlebten einen Ausdruck geben. Zudem fordern wir mit der Roses Revolution auch eine strukturelle Veränderung: Die 1:1 Betreuung durch eine Beleghebamme, die die Frau vor der Geburt schon kennen lernt, ist in der deutschen Geburtshilfe bei wachsendem Kostendruck und Haftpflichtproblemen eine Seltenheit – aber sie ist ein wirksames Mittel gegen Gewalt! Die seit Monaten vertraute Frau Müller, deren Sorgen und Ängste ich als Geburtshelfer kenne, behandle ich ganz anders als die unbekannte „Erstgebärende aus Kreißsaal 2“ oder die „PDA in Kreißsaal 1“.“

 

WHO-Erklärung: http://apps.who.int/iris/bitstream/10665/134588/1/WHO_RHR_14.23_eng.pdf?ua=1

Ansprechpartnerinnen:
Dr. Katharina Hartmann  (Political Activism Coordinator von Human Rights in Childbirth Deutschland)
katharina(at)humanrightsinchildbirth.com

 

Mascha Grieschat (Gründerin „Gerechte Geburt“)

mascha.grieschat(at)gmx.de

 

Facebook:             Roses Revolution Deutschland
Web:                      www.gerechte-geburt.de 
                               www.humanrightsinchildbirth.com

                               http://jesusaricoy.wix.com/rosesrevolution

Stand: 19.07.2017

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