Initiative für eine gerechte Geburtshilfe in Deutschland - Information, Austausch, Diskussion.
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Auch das ist Gewalt (5): Kristellern - leider oftmals unsachgemäß durchgeführt

"Sie warfen sich ohne Vorwarnung auf meinen Bauch. Ich bekam keine Luft, es tat unfassbar weh." - so oder ähnlich lesen sich viele Berichte der sogenannten "Kristellerhilfe", einem Manöver, welches eigentlich wehensynchron mit sanften Druck einer oder beider Hände unter strenger Indikation eingesetzt werden kann, um in der Pressphase den Austritt des kindlichen Kopfes herbeizuführen. Es ist in der Geburtshilfe ein sehr umstrittener Handgriff (vgl. "Kristellern - Hilfe oder Gewalt" GreenBirth e.V.)

Gewalt in der Geburtshilfe: unsachgemäßes Kristellern Mutter und Kind leiden durch unsachgemäßes Kristellern

Bereits der Fachartikel "Kristeller Handgriff: Aktueller Forschungsstand" erschienen 2014 in Die Hebamme, von Miriam Kemper, zeigt deutlich auf, dass beispielsweise die Indikationsstellung sehr viel strenger vorgenommen werden müsste, als es bisher der Fall ist. Alternativen (z.B. Veränderung der Position etc.) müssten zunächst ausprobiert werden. Noch deutlicher äußert sich Ulrike Harder 2016 im sehr empfehlenswerten Artikel "Verzögerte Kopfgeburt – Alternativen zum Kristeller-Handgriff":

 

 

"Zur Beschleunigung einer verzögerten Kopfgeburt eignen sich viele verschiedene Maßnahmen. Die Anwendung des Kristeller-Handgriffs sollte vermieden werden, da der äußere Fundus-Druck meist schmerzhaft ist und bis dato in keiner Studie einen Nutzen für Mutter und Kind zeigte" (Die Hebamme 06/2016)

 

Hinzu kommt, dass Kontraindikationen oftmals nicht ausreichend beachtet werden und auch der Handgriff als solcher oftmals nicht fachgerecht durchgeführt wird - die eigentliche Grundvoraussetzung für einen positiven Effekt für Mutter und Kind. Insbesondere verbreitet ist hier leider der Druck mit dem Unterarm. So heißt es zur unsachgemäßen Durchführung des Manövers:

 

"Der Kristeller-Handgriff mit dem Unterarm ist für die Frau sehr schmerzhaft und birgt diverse Verletzungsrisiken (Gewebeschädigungen, Rippenfraktur, Plazentaablösung etc.). Auch kann das Kind beim Drücken nur schlecht in Führungslinie gehalten werden" (DIE HEBAMME  (06/2016))

 

Beim Kind kann es u.a. zu akutem Sauerstoffmangel (!) wegen Unterversorgung der Plazenta, neurologische/zelebrale Schädigung oder Schulterdystokie kommen (vgl. Kemper 2014).

 

Im Rahmen der Aufarbeitung von unsachgemäßem Kristellern sucht die Mutter Ekaterina Werz andere Betroffene [07.02.2019]:

 

"Ich suche Mütter die mit Hilfe des Kristeller Handgriffs oder auch bekannt unter dem Begriff Unterarm Druck entbunden haben und dabei Komplikationen haben/hatten, bitte meldet euch.
Ich habe 2016 mit Hilfe des Unterarm Drucks entbunden. Diese Methode wurde von zwei Personen ausgeübt, ich wurde weder informiert noch hat man mich darüber aufgeklärt.
Ich habe seitdem chronische Steißbeinschmerzen. Meine Tochter litt an einer Halswirbelsäule Blockade, die durch die Osteopathen gelöst wurde.
Die Ärzte, die mein Kind und mich behandelt haben, sagen, dass die Komplikationen und die Steißbeinschmerzen von dem Kristellern kommen. Die Versicherung von dem Krankenhaus ist da einer anderen Meinung.
Bitte schreibt mir auf meine E-Mail Adresse:
ekaterina.werz84@gmail.com

Vielen Dank.
Liebe Grüße
Ekaterina und Josephine

Anmerkung: Dieser Artikel zum Thema "Kristellern" ist noch nicht beendet und soll u.a. durch Zitate betroffener Frauen ergänzt werden. [Stand: Feb. 2019]

Stand: 29.08.2019

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