Initiative für eine gerechte Geburtshilfe in Deutschland - Information, Austausch, Diskussion.
Initiative für eine gerechte Geburtshilfe in Deutschland - Information, Austausch, Diskussion.

Senkung der Kaiserschnittrate

Leitlinie zur Förderung der natürlichen Geburt erwünscht!

 

"Zu viele Kaiserschnitte sind strukturell,

organisatorisch oder ökonomisch

statt medizinisch begründet."

(AKF - Arbeitskreis Frauen in der Medizin)

 

Bei jeder Operation sollten Nutzen und Risiko sorgfältig abgewogen werden. Bei der sectio cesarae wird häufig viel zu voreilig - vermeintlich sicher - entschieden. Doch die aktuelle Studienlage hat gezeigt: Der Kaiserschnitt hat mehr unerhoffte Nebenwirkungen, als gedacht. So ist ist die Mortalitätsrate der Mutter erhöht, die (Langzeit)Folgen für das Kind nicht abzuschätzten (erwiesen bereits: erhöhte Diabetes- und Asthmaerkrankungen) und Folgeschwangerschaften sind deutlich häufiger von Fehlgeburten betroffen. Darum hat die ACOG 2014 eine neue Leitlinie (in den USA) aufgesetzt: "Save prevention of the primary cesarean delivery". Dadurch soll besonders vermieden werden, dass die erste Geburt in einem Kaiserschnitt endet. Ist dies der Anfang einer Trendwende?

 

"War der Kaiserschnitt bis [in die 1990er Jahre] der 'Notausgang',

wenn schwerwiegende medizinische Gründe gegen eine vaginale Geburt sprachen, so wurde die Operation jetzt nach und nach eine salonfähige Alternative:

planbar (für Klinik und Schwangere), bezahlbar (auf Kosten der Allgemeinheit),

lukrativ (im Vergleich zur zeit- und personalaufwendigen Spontangeburt) und vermeintlich sicher (unter Vermeidung unvorhersehbarer Geburtsabläufe

und möglicher juristischer Angreifbarkeiten."

(C. Schwarz,  Mabuse 123, 2015, S. 47)

 

Es bleibt zu hoffen, dass die deutschen medizinischen Fachgesellschaften nachziehen und endlich eine adäquate Leitlinie entwickeln, welche den natürliche Geburt fördert und die unnötig hohe Kaiserschnittrate, welche die Gesundheit von Mutter und Kind diversen (unabschätzbaren) Risiken aussetzt, senkt.

  • AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.)
  • DGGG (Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V.)

 

Zurzeit gibt es online keine gültige Leitlinie für Kaiserschnitte (z.B. Indikationen bei sekundärerer Sektio). 2013  ist die federführende Leitlinie der DGGG "Absolute und relative Indikationen zur Sectio caesarae" abgelaufen und seitdem in Bearbeitung. Archiviert ist die Version von 2010 beim DGGG einzusehen. Wenn man bedenkt, dass ca. jede sechste Geburt in einer ungeplanten Bauch-OP endet, wäre es wünschenswert, wenn eine Überarbeitung zügig stattfinden würde, um Ärzten, medizinischem Personal und den Schwangeren Sicherheit und Transparenz zu geben. Eine Anfrage an die AWMF von Gerechte-Geburt mit dem Vorschlag der Zusammenarbeit läuft.

 

 

Mascha Grieschat 6.1.2015

________

Literatur

ACOG: Obstetric care consensus no. 1: safe prevention of the primary cesarean delivery. (March 2014) - Einsicht unter NCBI (The National Center for Biotechnology Information)

AKF: Kampagne zur Senkung der Kaiserschnittrate in Deutschland – Aufruf zur Unterstützung – 26.06.2012.

NICE: Guidance intrapartum care: Care of healthy women and their babies during childbirth. (Clinical guideline 190 , UK Dez. 2014)

Schwarz, C.: Sichere Vermeidung des ersten Kaiserschnitts. - Dr. med. Mabuse 213 Jan./Feb. 2015, 47-49.

 

Nachtrag|20.02.2015: Empfehlenswert ist in diesem Zusammenhang eine Variation des Artikels über die neue US-Leitlinie zur vermeidung des ersten Kaiserschnitts, die auch online einzusehen ist:  "Die Erlaubnis zum Nichtstun" (Christiane Schwarz - DHZ 09/2014).

Mehr Infos:

  1. Kaiserschnittkampagne Petition (AKF)
  2. Hebammengeleitete Kreißsäle - Petition (Berner Hebamme)

 

Beispiele aus anderen Ländern:

- Geburten in Brasilien. Die Mär vom schmerzfreien Kaiserschnitt - , FAZ

Stand: 10.05.2017

Besucher seit Juni 2014:

Druckversion Druckversion | Sitemap
{{custom_footer}}