Initiative für eine gerechte Geburtshilfe in Deutschland - Information, Austausch, Diskussion.
Initiative für eine gerechte Geburtshilfe in Deutschland - Information, Austausch, Diskussion.

Wahlprüfsteine

Die Bundestagswahlen erfolgen im September 2017! Die Situation in der Gesundheits- und Familienpolitik ist alles andere als zufriedenstellend.

 

Das Netzwerk der Elterninitiativen für Geburtskultur hat es sich zur Aufgabe gemacht, "Wahlprüfsteine" zu entwickeln, um Parteien gezielt zu familien- und geburtskuturspezifischen Themen zu befragen. Das Netzwerk ist ein Zusammenschluss von Elternvereinen,- Initiativen und Einzelpersonen sowie unterstützenden Vereinen und Organisationen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Geburtskultur in Deutschland positiv zu verändern.

Eine Arbeitsgruppe hat sich gebildet und einen Fragenkatalog von sechs Fragen sowie einem dazugehörigen Glossar konzipiert. Diese sogenannten "Wahlprüfsteine" sind hier im Detail und mit Glossar (jeweils als PDF) auf der Netzwerk-Homepage runterzuladen.

 

Die Wahlprüfsteine des Netzwerkes der Elterninitiativen für Geburtskultur

"Geburtskultur umfasst die Pflege und formende Gestaltung all der Prozesse, die mit dem Erleben einer Geburt in Zusammenhang stehen: Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und das erste Lebensjahr des Kindes. Eine positive Geburtskultur im Sinne der Eltern und des Kindes wird für uns durch eine sichere, bedarfs- und bedürfnisorientierte, gewaltfreie und menschenwürdige Grundversorgung. Diese besteht aus folgenden Bausteinen:

  • Eine wohnortnahe Schwangerenvorsorge, die entsprechend den Wünschen der Frau gleichwertig von Arzt und Hebamme durchgeführt werden kann.
  • Geburtshilfe und Geburtsmedizin sind flächendeckend verfügbar.
  • Während der gesamten Geburt, beginnend mit der Eröffnungsphase, wird die gebärende Frau 1:1 von einer Hebamme betreut. Frauen werden in ihrer Fähigkeit zu gebären gestärkt.
  • In den Geburtsfortschritt wird nur in medizinisch notwendigen Fällen nach Prüfung der individuellen Situation und ausführlicher Aufklärung eingegriffen.
  • Während der gesamten Wochenbettzeit kann die Mutter eine aufsuchende Wochenbettbetreuung durch eine Hebamme nutzen.
  • Der durch veränderte Familien- und Arbeitsstrukturen erhöhte Bedarf an familiennahen Dienstleistungen in der Wochenbett- und Stillzeit wird durch qualifizierte, niedrigschwellige Anlaufstellen zur Hebammenhilfe ergänzt und als Kassenleistung anerkannt, z.B. Wochenpflegemodell wie in den Niederlanden.
  • Der kostenfreie Zugang zu allen Informationen und eine wertungsfreie und ergebnisoffene Aufklärung ermöglichen den Eltern den eigenverantwortlichen Umgang mit den Angeboten rund um Schwangerschaft und Geburt.

Frage 1: Was bedeutet eine Geburtskultur im Sinne von Mutter und Kind für Sie und durch welche Maßnahmen wird dies zukünftig umgesetzt?

Frage 2: Mit welchen konkreten Maßnahmen werden Sie die Bundeskaiserschnittrate auf das von der WHO empfohlene Niveau von höchstens 10-15% senken?

Frage 3: Wie werden Sie eine 1:1-Betreuung durch eine Hebamme während der gesamten Geburt garantieren (nicht nur während der Austreibungsphase)?

Viele Frauen berichten von Gewalterfahrungen während der Schwangerschaft, unter der Geburt und/oder im Wochenbett. Unter anderem durch Personalmangel und die implementierten Strukturen in Krankenhäusern sind sie in ihren Persönlichkeitsrechten und ihrer Selbstbestimmung stark eingeschränkt. Ihre Menschenrechte werden verletzt (Recht auf bestmöglichen Gesundheitsstandard, Recht auf körperliche Unversehrtheit und Recht auf eine würdevolle und wertschätzende Gesundheitsversorgung). Die WHO empfiehlt Maßnahmen zur „Vermeidung und Beseitigung von Geringschätzung und Misshandlung bei Geburten in geburtshilflichen Einrichtungen“.

Frage 4: Mit welchen Maßnahmen werden Sie Frauen und ihre Kinder vor individueller, struktureller und systemischer Gewalt schützen und die Wahrung ihrer Menschenrechte fördern?

 

Frage 5: Wie werden Sie eine flächendeckende und wohnortnahe Versorgung mit qualifizierter Schwangerenvorsorge, 1:1-Geburtshilfe – idealerweise durch eine Bezugshebamme – und aufsuchender Wochenbettbetreuung gewährleisten, insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen zunehmenden bundesweiten Klinikschließungen und des Personal- und Hebammenmangels sowohl in den Kliniken als auch im freiberuflichen Sektor?

Nach der Hebammenbetreuung im Wochenbett übernimmt der Kinderarzt die medizinische Betreuung des Kindes. Auch die kinderärztliche Versorgung verschlechtert sich zusehends. Das Versorgungsstärkungsgesetz strebt eine Verbesserung der Situation in ländlichen Regionen an, spitzt aber in Städten und Ballungsräumen die bereits extrem angespannte Versorgung weiter zu. Zusätzlich nimmt die Abdeckung mit Kinderkliniken weiter ab.

Frage 6: Was stellen Sie dieser Entwicklung entgegen, um sowohl in Städten und Ballungsräumen als auch im spärlich besiedelten ländlichen Bereich jedem Kind wohnortnah kinderärztliche Versorgung zu garantieren? 

Frage 7: Die Eltern haben trotz ihrer zentralen Rolle im Geschehen kein Mandat. Welche Maßnahmen ergreifen Sie, um uns Interessensvertretern der Eltern dieses Mitspracherecht zu garantieren?"

Dieser Fragenkatalog wurde am 28.Feb. 2017 an folgende Parteien gesandt:

 

* CDU/CSU
* SPD
* DIE GRÜNEN
* DIE LINKE

 

Außerdem wurden das Gesundheits- und das Familienministerium angeschrieben.

Wir, die Gruppe des Netzwerks, erwarten Antworten im April 2017 und werden die Auswertung voraussichtlich im Mai abgeschlossen haben und sie so zeitnah wie möglich auf der Netzwerk-Homepage veröffentlichen.

 

Evtl. werden weitere Parteien kontaktiert, damit auch diese die "Wahlprüfsteine" beantworten können.

 

 

Aufruf an alle anderen Parteien:

 

Beantworten Sie den Fragenkatalog und zeigen Sie Ihren Wählern, welche Konzepte Sie zur Sicherstellung einer guten Geburtskultur in Deutschland bereithalten!

 

Ihre Antworten (oder Ihre vorherigen Fragen) schicken Sie bitte an:

wahlpruefsteine@netzwerk-geburtskultur.de

 

Stand: 10.05.2017

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