Initiative für eine gerechte Geburtshilfe in Deutschland - Information, Austausch, Diskussion.
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Spanische Studie zu Gewalt in der Geburtshilfe

Nach einer Erhebung in Italien haben in Spanien als zweites europäisches Land Forscher*innen die Empfehlungen der WHO befolgt und eine Studie zu Gewalt im Kontext von Geburtshilfe durchgeführt. Die im Oktober 2020 veröffentlichten Ergebnisse bezeugen den dringenden Handlungsbedarf, Geburtshilfe mehr an den Bedürfnissen von Mutter und Baby auszurichten.

In der Studie "Das Ausmaß des Problems der geburtshilflichen Gewalt und die damit verbundenen Faktoren: Eine Querschnittsstudie" wurden 2019 899 spanische Frauen befragt, die binnen der letzten 12 Monate geboren hatten. Die Parameter, die abgefragt wurden, waren einige der bekannten geburtshilflichen Gewaltformen (psychische, phyische und verbale Gewalt).

 

Ergebnisse

 

Mehr als zwei Drittel der Frauen (67,4 %) berichteten von geburtshilfliche Gewalt. Ein Viertel (25,1%) nannte verbale, über die Hälfte (54,5%) körperliche und über ein Drittel (36,7%) psychische Gewalt. Bei Frauen, die einen Geburtsplan hatten, der nicht eingehalten wurde, und die sich vorher in einem Geburtsvorbereitungskurs (Mütterbildungsprogramm)  fortgebildet hatten, wurden insgesamt häufiger geburtshlfliche Gewalt beobachtet. Ebenso bei Frauen, die Analgesie (z.B. PDA), einen Dammschnitt, einen dringenden ungeplanten oder einen Notkaiserschnitt erhielten - oder deren Neugeborene auf eine Kinderintensivstation verlegt werden mussten.
 
Gleichzeitig zeigte sich, dass die Vorbereitung der Frau mit einem Geburtsplan sowie die Möglichkeit von Haut-zu-Haut-Kontakt direkt nach der Geburt als "Schutzfaktoren" vor geburtshilflicher Gewalt gedient hätten. 
 
Eigene Schlussfolgerungen / Kommentar
Dass zwei von drei spanischen Frauen in dieser Studie aussagen müssen, während der Geburt geburtshilfliche Gewalt erlitten zu haben, ist schockierend. Der Handlungsbedarf ist immens!
Dass die Studie Haut-zu-Hautkontakt als Schutzfaktor nennt, ist ein interessanter, wenn auch etwas absurder Punkt - da Skin-to-Skin eher Produkt und Teil einer Haltungsfrage ist, als eine Praktik, die "einfach" zusätzlich angewandt wird. Es stellt sich viel mehr die Frage, ob  das geburtshilfiche Team Mutter und Baby grundsätzlich den Raum gibt, zu bonden - stellt es sie in ihrer Arbeit in den Mittelpunkt? Ist die Geburtshilfe mutterbaby-zentriert, ist die Wahrscheinlichkeit, geburtshilfliche Gewalt zu erleben, geringer. Skin-to-Skin allein schütz unmöglich vor Gewalt.
 
Quelle: 
Juan Miguel Martínez-Galiano, Sergio Martinez-Vazquez, Julián Rodríguez-Almagro, Antonio Hernández-Martinez,

Stand: 28.11.2020

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