Initiative für eine gerechte Geburtshilfe in Deutschland - Information, Austausch, Diskussion.
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Antwortschreiben der Bundesregierung II

Antwort des BMG zur prekären Lage in der Geburtshilfe

Kommentar zur Leugnung des Hebammenmangels - MG 5.2.15

 

Seit einiger Zeit ist es Facebooknutzern möglich, dem Bundesministerium für Gesundheit öffentlich Fragen zu stellen. Leider werden diese nur selten beantwortet, häufig dann nur teilweise oder "pauschal" - manchmal sogar sachlich höchst umstritten, wie folgendes Beispiel zeigt.

 

Hier der Wortlaut von der Online-Plattform zum Post "Das sind die Maßnahmen des BMG" vom 15.Jan.2015:

 

Rabeneltern: "Wir als Elternvereinigung möchten gerne wissen, was das Bundesgesundheitsminisetrium schätzt, bis wann der derzeitige Mangel an Hebammen und die daraus resultierende Unterversorgung und die eingeschränkte freie Wahl des Geburtsortes (sowohl bei außerklinischen als auch klinischen Geburten) behoben sein wird."15.01.2015 um 14:59

 

BMG: "Die Zahl der Hebammen und Entbindungspfleger insgesamt ist gemäß Gesundheitspersonalrechnung des Statistischen Bundesamtes von rd. 16.000 im Jahr 2000 auf rd. 21.000 im Jahr 2011 angestiegen. Eine allgemeine Unterversorgung oder gar einen Mangel an Hebammen ist daher nicht erkennbar." (29.01.2015 um 14:11)

 

Die Antwort der Bundesregierung auf die Anfrage von der Initiative "Rabeneltern" zur akuten und sich seit Jahren verschlimmernden Unterversorgung mit Hebammenhilfe bei Facebook ist eine ausweichende Beschönigung der Situation. Angesichts der erdrückenden Faktenlage zum Hebammenmangel und der offiziellen Übergabe der "Landkarte der Unterversorgung mit Hebammenhilfe" aus 16 Bundesländern in Hamburg am 26.05.2014 an den Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe sind Eltern, Hebammen und Initiativen empört über diese beschönigende Aussage.

 

"Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) überreichten die Hebammen Landkarten von Bundesländern, auf denen sie Gebiete mit Unterversorgung markiert hatten. Gröhe versprach ihnen im Gespräch, sich weiter für eine Lösung des Problems einzusetzen. Konkrete Zusagen könne er aber noch nicht machen." (NDR, 26.06.2014)

 

Obwohl dem Ministerium die Unterversorgung mindestens seit Juni 2014 bekannt ist und bei "unsere-Hebammen" täglich neue Einträge eingehen, wird offiziell davon gesprochen, dass eine Unterversorgung oder ein Mangel nicht erkennbar sei. Absolute Zahlen von 2011 gemeldeten Hebammen (21.000) werden fälschlicherweise gleichgesetzt mit ihrer tatsächlichen Tätigkeit heute. Jedoch arbeiten viele nur halbtags (bereits 2010 waren fast 3/4 der Klinikgeburtshebammen nur geringfügig/in Teilzeit beschäftigt, Tendez steigend, vgl. Statistisches Bundesamt). Oder sie decken nur einen Teil der dringend benötigten Hebammenleistungen ab. Außerdem sind die Haftpflichtprämien so sehr gestiegen, dass die Zahl von 2011 heute nicht mehr aktuell sein muss. Viele Hebammen haben gerade in den letzten drei Jahren ihren Beruf aufgegeben und sich anderweitig orientiert.

 

Machen Sie sich selbst ein Bild, ob es Unterversorgung gibt oder nicht - wahlweise sprechen Sie eine Schwangere an, wie "leicht" bzw. unmöglich es für sie war eine Hebamme zur Vorsorge, Nachsorge oder Geburtsbegleitung zu finden.

 

Hier vier  aktuelle Beispiel-Meldungen der (nicht repräsentativen) Landkarte der Unterversorgung auf Unsere-Hebammen, auf der seit ca. 2 Jahren Meldungen von fehlenden Hebammenversorgung eingehen. Seit Februar haben sich die Meldungen von 4083 auf 6256 (im Juni) und schließlich bis zum Herbst auf 7884 nochmals dramatisch erhöht (Stand 24.10.2016).

 

"24.10.2016

Für die Wochenbettbetreuung fehlt eine Hebamme für eine Frau aus dem PLZ-Bereich 71229. Geburtstermin: 31.03.2017.

24.10.2016

Keine Schwangerenvorsorge gibt es für eine Frau aus dem PLZ-Bereich 65185.
Geburtstermin: 27.02.2017.

[...]

Für eine Hausgeburt fehlte eine Hebamme für eine Frau aus dem PLZ-Bereich 23816. Geburtstermin: 09.08.2016.

24.10.2016

Aus dem PLZ-Bereich 09669 hat eine Frau keine Hebamme für einen Hebammenkurs gefunden. Geburtstermin: 20.01.2017."

 

Es ist keine Hebammenunterversorgung, kein Mangel erkennbar? Auch Monate vor dem Geburtstermin sind Hebammen bereits ausgebucht. Geburtskliniken und -abteilugen sowie Geburtshäuser schließen deutschlandweit. Hier zur Kartenübersicht "Das Sterben der Geburtshilfe". Jetzt Unterversorgung melden auf:  www.unsere-hebammen.de/mitmachen/unterversorgung-melden/

Stand: 22.09.2017

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