Initiative für eine gerechte Geburtshilfe in Deutschland - Information, Austausch, Diskussion.
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Senkung der Kaiserschnittrate

Der Titel dieses Artikels von 2015 (Originaltext weiter unten) bleibt wohl weiterhin Wunschdenken. Denn 2023 war die Kaiserschnittrate so hoch wie seit 2006 nicht und damit wieder gestiegen. (Quelle: https://www.berliner-zeitung.de/gesundheit-oekologie/kaiserschnittrate-erreicht-hoechststand-welche-ursachen-gibt-es-li.2212506)

 

Wann wird 1 und 1 zusammengezählt? Wieviele Jahre sollen wir noch lesen: "Die Kaiserschnittrate ist zu hoch."? 

Die WHO empfiehlt nich einmal halb so viele Sectios. Das ist eine Fehlversorgung und als strukturelle Gewalt an Mutter und Baby zu definieren: Überversorgung mit häufig unnötigen Eingriffen, Medikamenten und OPs bei leider oftmals paralleler Unterversorgung - einer Unterversorgung mit evidenzbasierter individueller Geburtshilfe. Wie soll es auch gehen, wenn eine Hebamme oftmals 3 Gebärende gleichzeitig "begleiten" muss oder einige Geburtsteams viele Konstellationen gar nicht mehr vaginal begleiten.

Es braucht Forschung, welche Kaiserschnitte vermieden werden können und müssten und dazu, welche vielleicht besser hätten durchgeführt werden sollen (Bsp.: verweigerter/"ausgeredeter" Wunschkaiserschnitt führt bei Mutter zu Depression, belegter Operationssaal 'verhindert' rasche Sektio und lässt weiter vaginal "versuchen", dies führt zu operativer vaginalen Geburt, sehr negativem Geburtserlebnis etc.).

Die Daten zeigen: es bleibt viel zu tun. Die Kaiserschnittrate ist zu hoch.

 

Es ist erfreulich, dass die 2015 geforderte Überarbeitung der gültigen Leitlinien (bzw. Neuerstellung) erfolgen konnte. Leider haben sie bisher nicht den gewünschten Effekt gebracht. 

 

Hier der Rückblick auf 2015: es ist erschreckend,  dass sich kaum etwas geändert hat.

 

RÜCKBLICK:

Leitlinie zur Förderung der natürlichen Geburt erwünscht! [2020 endlich erfüllt!]

 

"Zu viele Kaiserschnitte sind strukturell,

organisatorisch oder ökonomisch

statt medizinisch begründet."

(AKF - Arbeitskreis Frauen in der Medizin)

 

Bei jeder Operation sollten Nutzen und Risiko sorgfältig abgewogen werden. Bei der sectio cesarae wird häufig viel zu voreilig - vermeintlich sicher - entschieden. Doch die aktuelle Studienlage hat gezeigt: Der Kaiserschnitt hat mehr unerhoffte Nebenwirkungen, als gedacht. So ist ist die Mortalitätsrate der Mutter erhöht, die (Langzeit)Folgen für das Kind nicht abzuschätzten (erwiesen bereits: erhöhte Diabetes- und Asthmaerkrankungen) und Folgeschwangerschaften sind deutlich häufiger von Fehlgeburten betroffen. Darum hat die ACOG 2014 eine neue Leitlinie (in den USA) aufgesetzt: "Save prevention of the primary cesarean delivery". Dadurch soll besonders vermieden werden, dass die erste Geburt in einem Kaiserschnitt endet. Ist dies der Anfang einer Trendwende?

 

"War der Kaiserschnitt bis [in die 1990er Jahre] der 'Notausgang',

wenn schwerwiegende medizinische Gründe gegen eine vaginale Geburt sprachen, so wurde die Operation jetzt nach und nach eine salonfähige Alternative:

planbar (für Klinik und Schwangere), bezahlbar (auf Kosten der Allgemeinheit),

lukrativ (im Vergleich zur zeit- und personalaufwendigen Spontangeburt) und vermeintlich sicher (unter Vermeidung unvorhersehbarer Geburtsabläufe

und möglicher juristischer Angreifbarkeiten."

(C. Schwarz,  Mabuse 123, 2015, S. 47)

 

Es bleibt zu hoffen, dass die deutschen medizinischen Fachgesellschaften nachziehen und endlich eine adäquate Leitlinie entwickeln, welche die natürliche Geburt fördert und die unnötig hohe Kaiserschnittrate, welche die Gesundheit von Mutter und Kind diversen (unabschätzbaren) Risiken aussetzt, senkt.

  • AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.)
  • DGGG (Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V.)

 

Zurzeit gibt es online keine gültige Leitlinie für Kaiserschnitte (z.B. Indikationen bei sekundärerer Sektio). 2013  ist die federführende Leitlinie der DGGG "Absolute und relative Indikationen zur Sectio caesarae" abgelaufen und seitdem in Bearbeitung. Archiviert ist die Version von 2010 beim DGGG einzusehen. Wenn man bedenkt, dass ca. jede sechste Geburt in einer ungeplanten Bauch-OP endet, wäre es wünschenswert, wenn eine Überarbeitung zügig stattfinden würde, um Ärzten, medizinischem Personal und den Schwangeren Sicherheit und Transparenz zu geben. Eine Anfrage  läuft. 

 

Aktualisierung von Feb. 2018:

Eine Anfrage an die AWMF von Gerechte-Geburt mit dem Vorschlag der Zusammenarbeit wurde umgehend beantwortet: Die DGGG ist zuständig. Leider blieb eine Anfrage an die DGGG unbeantwortet. 

Der BMG-Veröffentlichung "Gesundheitsziel: Geburt" ist zu entnehmen, dass die Leitlinie im Dez. 2018 zu erwarten ist.

 

 

Mascha Grieschat 6.1.2015, aktualisiert: 8.2.2020

 

Wichtiger Nachtrag im September 2020: Im Sommer 2020 wurde die Leitlinie zum Kaiserschnitt (S3-Leitlinie) aktualisiert! Ein wichtiger Schritt für gerechte Geburtshilfe. Es bleibt zu hoffen, dass die neuen Leitlinien in der Praxis Anwendung finden

________

Literatur

ACOG: Obstetric care consensus no. 1: safe prevention of the primary cesarean delivery. (March 2014) - Einsicht unter NCBI (The National Center for Biotechnology Information)

AKF: Kampagne zur Senkung der Kaiserschnittrate in Deutschland – Aufruf zur Unterstützung – 26.06.2012.

NICE: Guidance intrapartum care: Care of healthy women and their babies during childbirth. (Clinical guideline 190 , UK Dez. 2014)

Schwarz, C.: Sichere Vermeidung des ersten Kaiserschnitts. - Dr. med. Mabuse 213 Jan./Feb. 2015, 47-49.

 

Nachtrag|20.02.2015: Empfehlenswert ist in diesem Zusammenhang eine Variation des Artikels über die neue US-Leitlinie zur vermeidung des ersten Kaiserschnitts, die auch online einzusehen ist:  "Die Erlaubnis zum Nichtstun" (Christiane Schwarz - DHZ 09/2014).

Mehr Infos:

  1. Kaiserschnittkampagne Petition (AKF)
  2. Hebammengeleitete Kreißsäle - Petition (Berner Hebamme)

 

Beispiele aus anderen Ländern:

- Geburten in Brasilien. Die Mär vom schmerzfreien Kaiserschnitt - , FAZ

Stand: 02.05.2024

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