Wir danken den Petentinnen – Pauline Hense, Julia Venzke und Ricarda Tamme – ausdrücklich für ihr Engagement und für die wichtige Initiative, die sie mit ihrer Bundestagspetition angestoßen haben.
Die Petition ist hier einsehbar: https://www.buendnis-kjg.de/aktivitaeten/petition-kinderkrankenpflege/https://www.buendnis-kjg.de/aktivitaeten/petition-kinderkrankenpflege/ und kann direkt im Petitionsforum des Bundetags mitgezeichnet werden.
Die aktuellen politischen Entwicklungen zur Einschränkung der Wahlfreiheit in der Pflegeausbildung betreffen nicht nur die pädiatrische Versorgung, sondern berühren zentrale Fragen der Geburtshilfe und der frühen Kindergesundheit. Die ersten Stunden und Tage nach der Geburt gehören untrennbar zur Geburtshilfe. In dieser sensiblen Phase entscheidet sich, ob Neugeborene sicher versorgt werden, ob ihre besonderen Bedürfnisse erkannt werden und ob Eltern die notwendige Unterstützung erhalten, um Bindung und Stillen zu etablieren.
Wenn spezialisierte Pflegekräfte fehlen oder ihre Ausbildung politisch eingeschränkt wird, entstehen vermeidbare Risiken für Säuglinge und Familien. Solche Risiken in der frühen Phase des Lebens können eine Form struktureller Gewalt darstellen und staatliche Schutzpflichten berühren. Die Entwicklungen der letzten Jahre – von Kreißsaalschließungen über steigende Interventionsraten bis hin zu Engpässen in der pädiatrischen Versorgung – zeigen, wie brüchig die Versorgungsstrukturen rund um Geburt und frühe Kindheit geworden sind. Die aktuellen Bestrebungen, die Wahlfreiheit in der Pflegeausbildung einzuschränken, verschärfen diese Situation weiter.
Gerechte Geburt setzt sich seit Jahren für eine sichere, menschenwürdige und verlässliche Geburtshilfe ein. Die von uns vorbereitete Verfassungsbeschwerde macht sichtbar, dass politische Entscheidungen, die die Versorgung rund um Geburt und frühe Kindheit schwächen, Grundrechte berühren können – insbesondere den Schutz von Leben und Gesundheit, die körperliche Unversehrtheit und die staatliche Pflicht, strukturelle Risiken zu verhindern.
Wir rufen alle Menschen, die von Qualitätsverlusten oder Einschränkungen im Kontext von Geburtshilfe betroffen sind – ob als Fachpersonen oder als Familien – dazu auf, ihre Erfahrungen in einer Stellungnahme zur Verfassungsbeschwerde einzubringen. Ihre Perspektiven sind entscheidend, um die verfassungsrechtliche Dimension dieser Problematik sichtbar zu machen.
Wir begrüßen ausdrücklich, dass diese Petition angehört wird. Sie macht deutlich, wie dringend eine politische Neubewertung der Versorgung rund um Geburt und frühe Kindheit ist – und wie notwendig es ist, die Wahlfreiheit in der Pflegeausbildung zu schützen, um die Gesundheit der jüngsten Mitglieder unserer Gesellschaft zu sichern.
Gerechte Geburt – Verein zur Förderung gerechter Geburtshilfe