Initiative für eine gerechte Geburtshilfe in Deutschland - Information, Austausch, Diskussion.
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Reform für die Geburtshilfe: Jetzt Petition unterschreiben!

Stand: 31.08.2018  Mascha Grieschat

Zur Bundestagspetition vom 28.01.2018

Hamburg/Berlin: Die geburtshilfliche Versorgung in Deutschland hat ein katastrophales Ausmaß angenommen. Kreißsäle schließen in der Stadt und auf dem Land. Es gibt so extremen Hebammenmangel, dass viele Kreißsäle überfüllt sind und sogar zeitweilig schließen müssen: Ein Drittel der geburtshilflichen Kliniken hat im letzten Halbjahr 2017 Frauen unter der Geburt abgewiesen (DGGG 2018). Dass die zeitgleiche "Betreuung" von drei, vier oder noch mehr Frauen und ihren (ungeborenen) Babys durch eine Hebamme nicht den nötigen Versorgungsstandard halten kann, ist unbestritten (DHV 2016, SZ 2018). Im gesamten Kontext von Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett kommt es zu psychischer, physischer und struktureller Gewalt - die Ursachen dafür sind facettenreich und reichen von mangelhaften Arbeitsbedigungen und übersteigerter Ökonomisierung, über Haftpflichtproblematik bis hin zu Machtmissbrauch. Offizielle Zahlen fehlen, aber Fachleute und Geburtsaktivist*innen sprechen je nach Definition der Gewalt von 10%-50% Betroffenen.

Sämtliche bisherige Lösungsansätze der Bundesregierung reichen angesichts des jahrzehntelang gewachsenen Handlungsbedarfs nicht aus. "Hebammen und Gynäkologen fordern Sofortmaßnahmen zur Sicherstellung der Geburtshilfe" titelt der Deutsche Hebammenverband diesen Januar (DHV 2018) und fordert zum Weltfrauentag: "Gewaltfreie Geburt ist ein Frauenrecht" (DHV). 2016 warnte er bereits vor Auswirkungen bei Personalengpässen im Kreißsaal. Elternverbände fordern seit Jahren: #sichereGeburt, die Roses Revolution Deutschland macht seit 2013 auf die Gewalt in der Geburtshilfe aufmerksam. Die Bundesregierung muss sofortige, mittel- und langfriste Maßnahmen ergreifen und endlich - nach Jahren des Protests von Eltern und Hebammen - eine umfassende Geburtshilfereform veranlassen. Die Umsetzung des von der WHO empfohlenen Maßnahmenpakets ist unumgänglich. 

 

Mit der Zeichnung der Bundestagspetition (Nr. 76417) können Sie sich aktiv für eine Geburtshilfereform und gegen Gewalt einsetzen. Unterschrift jederzeit Möglich, denn eine Antwort kam bis Ende August 2018 noch immer nicht.

 

Ob privat, als Verein oder Organisation: Jede/r kann unterstützen!

Unterschriftenlisten downloaden, unterschreiben und an den Bundestag schicken!

Deutscher Bundestag | Petitionsausschuss |Platz der Republik 1 |11011 Berlin - Betreff: Petition Nr. 76417

 

Und/Oder einfach Postkarte oder Brief schreiben und sagen, warum Geburtshilfe reformiert werden muss - z.B. Bericht von Betroffenen, Hebammenberichte etc.

 

DANKE für die Beteiligung!

 

 

 

Die Online-Zeichnungsfrist lief vom 27.2.-27.3.2018 und erzielte ca. 8.900 Stimmen. Leider kam es zu massiven Störungen bei der Online-Zeichnung

(fehlerhaftes Aufrufen der Seite, Nicht-Anerkennen von E-Mail-Adressen etc.). Darum sämtliche Schwierigkeiten (auch Kleinigkeiten) bitte dringend beim Petitionsausschuss melden. Kurze Mail an: post.pet@bundestag.de, Betreff: Petition 76417. Es besteht die Chance auf erneute Öffnung.

 

Da das Quorum (50.000 Unterschriften) innerhalb von 4 Wochen evtl. nicht erreicht wurde (genauer Stand unbekannt), ist das Unterschriftensammeln per Listen umso wichtiger! Es bestehen gute Chancen, dass die Petition bei genügend Einsendungen öffentlich angehört wird. Außerdem können individuelle Begründungen (z.B. negative Erfahrungen in Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett oder aus der Arbeit mit Betroffenen eingesandt werden, wie z.B. in den Stellungnahmen der Erstunterzeichner/innen.)

 

Das ganze Jahr 2018 werden weiterhin "klassisch" Offline-Unterschriften gesammelt. (DOWNLOAD) Listen werden  noch länger vom Petitionsausschuss angenommen, d.h. solange bis die Akte fertig bearbeitet wurde (also eine sehr ungenaue Frist, möglicherweise noch läger). Daher gilt: Je früher die Unterschriften beisammen sind, desto besser!

Weiterlesen: Gewalt in der Geburtshilfe | Roses Revolution Deutschland |

Auch das ist GewaltBerichte zur Roses Revolution | Pressemappe

 

Die Liste der offiziellen Erstunterzeichner*innen ist hier.

 

10er Liste (1 Seite)
10er Unterschriftenliste Geburtshilferef[...]
PDF-Dokument [339.8 KB]
Kleines "Petitionspaket": Kurzerklärung + 10er-Liste (3 Seiten)
Wortlaut Bundestagspetition Nr. 76417 fü[...]
PDF-Dokument [419.7 KB]
Für alle, die viel sammeln: 100er Unterschriftenliste (7 Seiten)
100er Unterschriftenliste Petition 76417[...]
PDF-Dokument [300.3 KB]
Gewalt in der Geburtshilfe - Was ist das? (und andere häufige Fragen)
18-03-17_FAQ_Tabuthema Gewalt in der Geb[...]
PDF-Dokument [402.3 KB]

Petition an den Deutschen Bundestag: Beschluss einer umfassenden Reform der Geburtshilfe

Petition Nr. 76417

Petition vom 28.01.2018

 

Wortlaut der Petition                        

 

Der Bundestag möge beschließen, eine umfassende Geburtshilfereform vorzunehmen, welche Frauen, ihre (ungeborenen) Kinder, ihre Partner*innen sowie geburtshilfliches Personal vor physischer, psychischer und struktureller Gewalt in der Geburtshilfe schützt; er möge dafür eine flächendeckende respektvolle Versorgung sicherstellen und die WHO-Empfehlungen zur „Vermeidung und Beseitigung von Geringschätzung und Misshandlung bei Geburten in geburtshilflichen Einrichtungen“ umsetzen.

Nötige Gesetzesänderungen sind vorzunehmen.

 

 

Begründung

 

Die Weltgesundheitsorganisation mahnt 2014 vor missbräuchlicher und vernachlässigender Behandlung in geburtshilflichen Einrichtungen weltweit und empfiehlt ein umfassendes Maßnahmenpaket, um Respektlosigkeit und Gewalt in der Geburtshilfe zu stoppen. Auch in Deutschland werden im Kontext von Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett täglich Menschen- und Patientenrechte verletzt und professionelle Versorgungsstandards nicht flächendeckend eingehalten. Fachleute und Aktivist*innen gehen - je nach Definition der Gewalt - von ca. 10% bis 50% Betroffenen aus (vgl. Dlf 2017).

Trotzdem fehlen effektive Präventionsprogramme, Gegenmaßnahmen, Forschungsunterstützung und Hilfsangebote. Es ist ein gravierendes, jahrzehntelang tabuisiertes und vernachlässigtes Problem.

 

Im Kern geht es um: Unterversorgung (z.B. Verweigerung der Aufnahme sowie Vernachlässigung unter der Geburt/im Wochenbett), gewaltsame und z.T. stark veraltete Praktiken, die trotz fehlender Evidenz angewendet werden, Überversorgung (zu viele unnötige Untersuchungen/Interventionen), aufgezwungene oder ohne umfängliche Aufklärung und Einwilligung vorgenommene medizinische Eingriffe (wie Dammschnitt, Kaiserschnitt), verbale Missachtung und Beleidigung, tiefe Demütigung, Diskriminierung, grobe Verletzung der Intimsphäre oder sexuellen Missbrauch, Missachtung der Schweigepflicht oder Verweigerung der Schmerzbehandlung (vgl. u.a. WHO 2014, S.1).

 

Die bisherigen Lösungsansätze der Bundesregierung im gesamten Sektor der Geburtshilfe sind nicht ausreichend. So hat sich die Versorgungssituation in städtischen und ländlichen Gebieten sogar weiter verschlechtert. Während die Geburtenrate pro Frau in den letzten Jahren von 1,3 auf 1,5 Kinder stieg, ist die Anzahl der Geburtskliniken stetig zurückgegangen - von 950 (2004) auf unter 690 (2017), so sank auch die Zahl der Beleghebammen zwischen 2012 und 2016 von 1.996 auf 1.776 (Ärzteblatt, StBA 2018). Bei einer Umfrage der DGGG 2018 gab ein Drittel der Kliniken an, Schwangere unter der Geburt im letzten Halbjahr 2017 mindestens einmal abgewiesen zu haben.

 

Diese Situation ist nicht mehr länger zu akzeptieren.

 

Familien, Mütter und Kinder zu schützen, ist im Grundgesetz verankert (GG, Art. 6, Abs. 1 & 4, Art. 1, Abs. 1). Ihnen muss flächendeckend respektvolle Geburtshilfe ermöglicht und den Versorgungsträgern sowie dem medizinischen Personal (Hebammen, Ärzt*innen u.a.) die dafür nötigen Voraussetzungen und (Arbeits-)Bedingungen gegeben werden.

Die Umsetzung der WHO-Empfehlungen mit fünf Maßnahmenpunkten ist zudem spätestens mit der Ratifizierung der Istanbul-Konvention zur Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen unumgänglich und muss sofort veranlasst werden. Zusätzlich bieten Organisationen und Vereine wie die IMBCO, die WRA, der AKF u.a. bereits seit Jahren Konzepte für frauen- und familiengerechte Geburtshilfe.

Die Bundesregierung muss diese in einer umfassenden Reform umsetzen und nötige Gesetzesänderungen, z.B. ein Recht auf respektvolle Geburtshilfe, vornehmen.

_____________

Ergänzungen

Da das „Übereinkommen des Europarats  zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt“ (die sog. Istanbul-Konvention) „Anwendung auf alle Formen von Gewalt gegen Frauen“ findet (Council of Europe, 2011, S.5), verpflichtet sich Deutschland mit der Ratifizierung zum 1.2.2018, die - v.a. Frauen betreffende - Gewalt in der Geburtshilfe zu bekämpfen.

 

Das WHO-Maßnahmenpaket von 2014  ist dafür unumgänglich und besagt Folgendes:

  1. Weitreichendere Unterstützung von Regierungen und Entwicklungspartnern in der Forschung und bei Maßnahmen gegen Geringschätzung und Misshandlung.
  2. Initiierung, Unterstützung und Unterhaltung von Programmen für die Verbesserung der Gesundheitsversorgung für Mütter. Ein besonderer Schwerpunkt muss die wertschätzende Versorgung als wesentliche Komponente einer qualitativ hochwertigen Versorgung sein.
  3. Hervorhebung des Rechts von Frauen auf eine würdevolle, wertschätzende Gesundheitsvorsorge für die gesamte Schwangerschaft und Geburt.
  4. Datenerhebung zu wertschätzenden und gering schätzenden Versorgungspraktiken, Haftungssystemen und sinnvoller professioneller Unterstützung ist erforderlich.
  5. Einbeziehung aller Beteiligten, einschließlich der Frauen, in die Bemühungen, die Qualität der Versorgung zu verbessern und gering schätzende und missbräuchliche Praktiken zu unterbinden. (WHO, 2014 S. 2&3)

 

Council of Europe (11.05.2011): Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt [sogenannte Istanbul-Konvention] https://rm.coe.int/1680462535 letzter Zugriff: 28.1.2018.

Council of Europe (12.10.2017) „Germany ratifies the Istanbul Convention (Action against violence against women and domestic violence)”, Pressemitteilung.

Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG, 2018): Neujahrsgespräch: Sicherstellung der klinischen geburtshilflichen Versorgung in Deutschland (23.01.2018) https://idw-online.de/de/attachmentdata64397.pdf 

Kuck, Marie von (2017): Radio-Feature: Gewalt in der Geburtshilfe - Weinen hilft Dir jetzt auch nicht. WDR, Deutschlandfunk (Dlf).

Mundlos, Christina (2015): Gewalt unter der Geburt. Der skandalöse Alltag. Marburg, Tectum-Verlag.

Weltgesundheitsorganisation (WHO, 2014): Vermeidung und Beseitigung von Geringschätzung und Misshandlung bei Geburten in geburtshilflichen Einrichtungen. http://apps.who.int/iris/bitstream/10665/134588/22/WHO_RHR_14.23_ger.pdf?ua=1 letzter Zugriff: 28.1.2018.

 

Bundestagspetition 2018

für eine sofortige Geburtshilfereform durch die Umsetzung des Maßnahmenpakets der WHO gegen Gewalt in der Geburtshilfe 

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