Initiative für eine gerechte Geburtshilfe in Deutschland - Information, Austausch, Diskussion.
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Reform für die Geburtshilfe: Jetzt Petition unterschreiben!

Stand: 05.02.2018  Mascha Grieschat

Zur Bundestagspetition vom 28.01.2018

Die geburtshilfliche Versorgung in Deutschland hat ein katastrophales Ausmaß angenommen. Kliniken schließen in der Stadt und auf dem Land; es gibt so extremen Hebammenmangel, dass viele Kreißsäle überfüllt sind und sogar zeitweilig schließen müssen: Ein Drittel der geburtshilflichen Kliniken hat im letzten Halbjahr 2017 Frauen unter der Geburt abgewiesen (DGGG, 2018). Dass die zeitgleiche "Betreuung" von drei, vier oder noch mehr Frauen durch eine Hebamme nicht den nötigen Versorgungsstandard halten kann, ist unbestritten (DHV 2016, SZ 2018). Oft kommt es im gesamten Kontext von Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett zu psychischer, physischer und struktureller Gewalt. Offizielle Zahlen fehlen, aber Fachleute und GeburtsaktivistInnen sprechen je nach Definition der Gewalt von 10%-50% Betroffenen.

Sämtliche bisherige Lösungsansätze der Bundesregierung reichen angesichts des jahrzehntelang gewachsenen Handlungsbedarfs nicht aus. "Hebammen und Gynäkologen fordern Sofortmaßnahmen zur Sicherstellung der Geburtshilfe" titelt der Deutsche Hebammenverband diesen Januar (DHV, 2018). 2016 warnte er bereits vor Auswirkungen bei Personalengpässen im Kreißsaal. Elternverbände fordern seit Jahren: #sichereGeburt. Die Bundesregierung muss sofortige, mittel- und langfriste Maßnahmen ergreifen und endlich - nach Jahren des Protests von Eltern und Hebammen - eine umfassende Geburtshilfereform veranlassen. Die Umsetzung des von der WHO empfohlenen Maßnahmenpakets ist unumgänglich. 

 

Mit der Zeichnung dieser Bundestagspetition (Nr. 76417) können Sie sich jetzt aktiv für eine Geburtshilfereform einsetzen. Wortlaut und kurze Erklärung finden sich weiter unten und in den PDF-Dateien. Ab 50.000 Unterschriften ist das Quorum erreicht und die Petition wird im Regelfall öffentlich angehört. Die Petition läuft bis ca. Anfang März, die Dauer hängt vom Online-Veröffentlichungstermin beim Bundestag-Petitions-Forum ab. Parallel und vorher werden klassisch  Offline-Unterschriften gesammelt. 

 

Ob privat oder als Verein oder Organisationen: Jede/r kann unterstützen!

Unterschriftenlisten downloaden, unterschreiben und an den Bundestag schicken! (Adresse ist auf den Listen angegeben)

 

DANKE für die Beteiligung!

10er Liste mit Petitionstext (1 Seite)
Petition 76417 - 10er Unterschriftenlist[...]
PDF-Dokument [343.5 KB]
Kleines "Petitionspaket": Kurzerklärung + 10er-Liste (3 Seiten)
Petition + Begründung (kurz) + 10er Unte[...]
PDF-Dokument [395.8 KB]
Für alle, die viel sammeln: 110er Unterschriftenliste (7 Seiten)
Petition 76417 - 110er Unterschriftenlis[...]
PDF-Dokument [301.5 KB]

Weiterlesen: Gewalt in der Geburtshilfe | Roses Revolution Deutschland |

Auch das ist GewaltBerichte zur Roses Revolution 

 

Die Liste der ErstunterzeichnerInnen wird in den nächsten Wochen hier veröffentlicht.

 

Petitionsnummer: 76417

Reform für die Geburtshilfe:                                                                     Gewalt stoppen, Menschenrechte wahren, Versorgung sicherstellen

Petition vom 28.01.2018

 

Wortlaut der Petition                        

 

Der Bundestag möge beschließen, eine umfassende Geburtshilfereform vorzunehmen, welche Frauen, ihre (ungeborenen) Kinder, ihre Partner/innen sowie geburtshilfliches Personal vor physischer, psychischer und struktureller Gewalt in der Geburtshilfe schützt; er möge dafür eine flächendeckende respektvolle Versorgung sicherstellen und die WHO-Empfehlungen zur „Vermeidung und Beseitigung von Geringschätzung und Misshandlung bei Geburten in geburtshilflichen Einrichtungen“ umsetzen. Nötige Gesetzesänderungen sind vorzunehmen.

 

 

Begründung

 

Die Weltgesundheitsorganisation mahnt 2014 vor missbräuchlicher und vernachlässigender Behandlung in geburtshilflichen Einrichtungen weltweit und empfiehlt ein umfassendes Maßnahmenpaket, um Respektlosigkeit und Gewalt in der Geburtshilfe zu stoppen. Auch in Deutschland werden im Kontext von Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett täglich Menschen- und Patientenrechte verletzt und professionelle Versorgungsstandards nicht flächendeckend eingehalten. Fachleute und AktivistInnen gehen - je nach Definition der Gewalt - von ca. 10% bis 50% Betroffenen aus (vgl. Dlf 2017).

Trotzdem fehlen effektive Präventionsprogramme, Gegenmaßnahmen, Forschungsunterstützung und Hilfsangebote. Es ist ein gravierendes, jahrzehntelang tabuisiertes und vernachlässigtes Problem.

 

Im Kern geht es um: Unterversorgung (z.B. Verweigerung der Aufnahme sowie Vernachlässigung unter der Geburt/im Wochenbett), gewaltsame und z.T. stark veraltete Praktiken, die trotz fehlender Evidenz angewendet werden, Überversorgung (zu viele unnötige Untersuchungen/Interventionen), aufgezwungene oder ohne umfängliche Aufklärung und Einwilligung vorgenommene medizinische Eingriffe (wie Dammschnitt, Kaiserschnitt), verbale Missachtung und Beleidigung, tiefe Demütigung, Diskriminierung, grobe Verletzung der Intimsphäre oder sexuellen Missbrauch, Missachtung der Schweigepflicht oder Verweigerung der Schmerzbehandlung (vgl. u.a. WHO 2014, S.1).

 

Die bisherigen Lösungsansätze der Bundesregierung im gesamten Sektor der Geburtshilfe sind nicht ausreichend. So hat sich die Versorgungssituation in städtischen und ländlichen Gebieten sogar weiter verschlechtert. Während die Geburtenrate pro Frau in den letzten Jahren von 1,3 auf 1,5 Kinder stieg, ist die Anzahl der Geburtskliniken stetig zurückgegangen - von 950 (2004) auf unter 690 (2017), so sank auch die Zahl der Beleghebammen zwischen 2012 und 2016 von 1.996 auf 1.776 (Ärzteblatt, StBA 2018). Bei einer Umfrage der DGGG 2018 gab ein Drittel der Kliniken an, Schwangere unter der Geburt im letzten Halbjahr 2017 mindestens einmal abgewiesen zu haben.

 

Diese Situation ist nicht mehr länger zu akzeptieren.

 

Familien, Mütter und Kinder zu schützen, ist im Grundgesetz verankert (GG, Art. 6, Abs. 1 & 4, Art. 1, Abs. 1). Ihnen muss flächendeckend respektvolle Geburtshilfe ermöglicht und den Versorgungsträgern sowie dem medizinischen Personal (Hebammen, ÄrztInnen u.a.) die dafür nötigen Voraussetzungen und (Arbeits-)Bedingungen gegeben werden.

Die Umsetzung der WHO-Empfehlungen mit fünf Maßnahmenpunkten ist zudem spätestens mit der Ratifizierung der Istanbul-Konvention zur Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen unumgänglich und muss sofort veranlasst werden. Zusätzlich bieten Organisationen und Vereine wie die IMBCO, die WRA, der AKF u.a. bereits seit Jahren Konzepte für frauen- und familiengerechte Geburtshilfe.

Die Bundesregierung muss diese in einer umfassenden Reform umsetzen und nötige Gesetzesänderungen, z.B. ein Recht auf respektvolle Geburtshilfe, vornehmen.

_____________

 

 

Ergänzungen

Da das „Übereinkommen des Europarats  zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt“ (die sog. Istanbul-Konvention) „Anwendung auf alle Formen von Gewalt gegen Frauen“ findet (Council of Europe, 2011, S.5), verpflichtet sich Deutschland mit der Ratifizierung zum 1.2.2018, die - v.a. Frauen betreffende - Gewalt in der Geburtshilfe zu bekämpfen.

 

Das WHO-Maßnahmenpaket von 2014  ist dafür unumgänglich und besagt Folgendes:

  1. Weitreichendere Unterstützung von Regierungen und Entwicklungspartnern in der Forschung und bei Maßnahmen gegen Geringschätzung und Misshandlung.
  2. Initiierung, Unterstützung und Unterhaltung von Programmen für die Verbesserung der Gesundheitsversorgung für Mütter. Ein besonderer Schwerpunkt muss die wertschätzende Versorgung als wesentliche Komponente einer qualitativ hochwertigen Versorgung sein.
  3. Hervorhebung des Rechts von Frauen auf eine würdevolle, wertschätzende Gesundheitsvorsorge für die gesamte Schwangerschaft und Geburt.
  4. Datenerhebung zu wertschätzenden und gering schätzenden Versorgungspraktiken, Haftungssystemen und sinnvoller professioneller Unterstützung ist erforderlich.
  5. Einbeziehung aller Beteiligten, einschließlich der Frauen, in die Bemühungen, die Qualität der Versorgung zu verbessern und gering schätzende und missbräuchliche Praktiken zu unterbinden. (WHO, 2014 S. 2&3)

 

Council of Europe (11.05.2011): Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt [sogenannte Istanbul-Konvention] https://rm.coe.int/1680462535 letzter Zugriff: 28.1.2018.

Council of Europe (12.10.2017) „Germany ratifies the Istanbul Convention (Action against violence against women and domestic violence)”, Pressemitteilung.

Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG, 2018): Neujahrsgespräch: Sicherstellung der klinischen geburtshilflichen Versorgung in Deutschland (23.01.2018) https://idw-online.de/de/attachmentdata64397.pdf 

Kuck, Marie von (2017): Radio-Feature: Gewalt in der Geburtshilfe - Weinen hilft Dir jetzt auch nicht. WDR, Deutschlandfunk (Dlf).

Mundlos, Christina (2015): Gewalt unter der Geburt. Der skandalöse Alltag. Marburg, Tectum-Verlag.

Weltgesundheitsorganisation (WHO, 2014): Vermeidung und Beseitigung von Geringschätzung und Misshandlung bei Geburten in geburtshilflichen Einrichtungen. http://apps.who.int/iris/bitstream/10665/134588/22/WHO_RHR_14.23_ger.pdf?ua=1 letzter Zugriff: 28.1.2018.

Für Interessierte. Die ganz ausführliche Begründung zur Petition 76417: Reform für die Geburtshifle. Gewalt stoppen, Menschenrechte wahren, Versorgung sicherstellen (14 Seiten) - Stand: 08.02.2018
Die Gründe für die Notwendigkeit einer umfassenden Reform für die Geburtshilfe lassen sich auch auf 14 Seiten nicht im Detail erklären. Hier erhält man aber einen umfassenderen Überblick als mit der auf der Online-Seite des Petitionsausschusses eingereichten Erklärung (nur 3000 Zeichen erlaubt). Evtl. Triggerwarnung für den dritten Teil (Beispiele für Gewalt in der Geburtshilfe werden sachlich aufgelistet) - Schwangere sollten für sich abwägen, diesen Text zu lesen. Die Kurzinformation (im 'kleinen Petitionspaket' - siehe oben) sollte für einen Überblick ausreichen.
Begründung zur Petition Reform für die G[...]
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Stand: 12.02.2018

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