24.07.2025| veröffentlicht 08.10.2025
Die Initiative für gerechte Geburtshilfe begrüßt die sorgfältige wissenschaftliche und ethische Prüfung eines möglichen gNGS in Deutschland. Im Gegensatz zu Großbritannien, wo eine pauschale Genomsequenzierung geplant ist, setzt Deutschland auf differenzierte Bewertungsmerkmale und Studien wie NEW_LIVES – ein Schritt in die richtige Richtung.
Allerdings fordern wir eine stärkere Einbindung zivilgesellschaftlicher Organisationen, da es sich um präventive Maßnahmen für gesunde Neugeborene handelt. Die elterliche Perspektive wurde bislang unzureichend bzw. teils einseitig berücksichtigt, insbesondere durch selektive Stichproben in Elternbefragungen bzw. Onlinebefragungen, welche direkt über Patient:innenorganisationen rekrutiert wurden.
Zentrale offene Fragen betreffen den tatsächlichen medizinischen Nutzen, den Umgang mit mehrdeutigen Befunden, die Freiwilligkeit der Teilnahme, mögliche Verschiebungen in Richtung pränataler Diagnostik und die Versorgungssituation angesichts des Personalmangels.
Die Initiative fordert:
klare ethische Leitlinien,
transparente Datenverarbeitung,
psychosoziale Begleitung,
und einen unabhängigen Ethikbeirat mit zivilgesellschaftlicher Beteiligung und einer Vertretung "aller" Eltern.
Gesellschaftlicher Rahmen:
Gewalt in der Geburtshilfe betrifft jährlich über 300.000 Mutter-Kind-Paare. Die Diskussion um gNGS zeigt, wie gezielt Ressourcen für genetische Prävention mobilisiert werden – während vergleichbare Anstrengungen zur Erfassung und Prävention geburtshilflicher Gewalt bislang ausbleiben. Eine gerechte Gesundheitsversorgung muss beide Bereiche ernst nehmen.
Die umfangreiche Stellungnahme findet sich hier in der Langfassung oder direkt als PDF-Download:
Stellungnahme in der Presse:
Dafür hatten wir gezielt auf die uns zugestellten Fragen geantwortet, da natürlich nur Ausschnitte gegeben werden, hier die vollständige...
15.07.2025
Der Hebammenhilfevertrag – Fortschritt oder Feigenblatt?
Der Hebammenhilfevertrag, der die Vergütung von Hebammenhilfe regeln und verbessern sollte, wird aktuell heiß diskutiert und kritisiert – besonders im Hinblick auf die neue Version, die ab dem 1. November 2025 in Kraft treten wird. Der Deutsche Hebammenverband hat am 14.07.2025 bereits Klage geingereicht (DHV 2025).
Finanzielle Schlechterstellung der Beleghebammen: Der Deutsche Hebammenverband (DHV) warnt, dass Beleghebammen künftig bis zu 35 % weniger Vergütung erhalten könnten. [1]
Einschränkungen bei der Abrechnung: Leistungen für mehrere gleichzeitig betreute Frauen werden nur teilweise vergütet – trotz gleicher Verantwortung. [1]
Unzureichende Anpassung an die Grundlohnentwicklung: Der festgelegte Stundensatz von 74,28 € bleibt bis Ende 2027 bestehen, obwohl eine Deckungslücke von 12,4 % besteht. [1]
Gefährdung der Versorgungssicherheit: In Regionen wie Bayern, wo Beleghebammen bis zu 80 % der Geburten begleiten, droht ein gravierender Versorgungsengpass. [1]
Bspw. die AOK nennt einige positive Aspekte:
Zeitbasierte Vergütung: Statt Pauschalen wird künftig minutengenau abgerechnet – das kann längere Betreuungen besser honorieren. [4]
Erhöhung einzelner Positionen: Wegegeld und andere Leistungen wurden leicht angehoben. [4]
Mehr Transparenz und Dokumentation: Der Vertrag enthält neue Qualitätsvereinbarungen und technische Standards. [4]
Allerdings liest sich dort auch: "Für die aktive Hilfeleistung der ersten Frau wird die volle Vergütung abgerechnet, während für die zweite Frau (ggf. Dritte für maximal eine Stunde), die gleichzeitig überwacht wird, eine zusätzliche Überwachungsleistung abgerechnet werden kann. " (ebd.) Derlei Vorgehen ist absolut absurd. Nicht nur, dass Frauen und Familien unter dieser massiven Unterversorgung leiden (parallel die dritte oder vierte "betreute" Frau zu sein), nein. Jetzt soll auch noch die Bezahlung dafür massiv eingeschränkt werden.
Unterm Strich sind diese geplanten Maßnahmen zur scheinbaren Verbesserung der Vergütung von Hebammen eine Bedrohung für qualitativ gute Geburtshilfe. Es wird dazu führen, dass Hebammen ihren Beruf aufgeben, auch wenn es oberflächlich so scheinen mag, dass bspw. die außerklinische Geburtshilfe "besser" vergütet würde als vorher.
Im Video von Hebamme Valentina Grimm aus Nürnberg ist gut zusammengefasst, welche Problematiken die neue Regelung mit sich bringt: Video "Hebammenhilfevertrag"
Gerechte Geburt fordert: Es muss im Sinne von Frauen und Familien nachgebessert werden! Hebammen brauchen transparente und faire Vergütung - kein Feigenblatt.