19.1.2026, aktualisiert 5.2.2026
Jede Geburt verdient Würde, Sicherheit und Respekt.
Doch viele Familien berichten von Erfahrungen, die tief verletzen und lange nachwirken. Gewalt im Kontext von Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett ist kein Randphänomen – sie ist ein strukturelles Problem, das seit Jahren dokumentiert wird. WHO, UN und die deutsche RESPECT‑Studie (2025) zeigen: Gewalt und Diskriminierung in der Geburtshilfe sind weit verbreitet und menschenrechtlich relevant. In der aktuellen deutschen Studie geben rund ein Viertel der Befragten an, von Gewalt und Diskriminierung betroffen zu sein - und strukturelle Gewaltformen sind dabei nicht explizit miteinbezogen.
Gerechte Geburt e. V. setzt sich seit 2013 für gerechte, sichere und menschenwürdige Geburtshilfe ein: Die Bundestagspetition hat bereits 2018 den Reformbedarf deutlich gemacht – doch zentrale Forderungen bleiben bis heute unerfüllt. Deshalb bereiten wir nun eine eigene Verfassungsbeschwerde vor, die im ersten Quartal 2026 eingereicht werden soll. Eine verwandte Beschwerde liegt dem Bundesverfassungsgericht bereits vor; jetzt ist der richtige Moment, sämtliche grundrechtsrelevanten Verletzungen in der Gynäkologie und Geburtshilfe auf höchster Ebene prüfen zu lassen. Unser Ziel: Anerkennung von Gewalt in der Geburtshilfe und dadurch endlich umfassende Reformen und konkrete Verbesserungen für die Geburtshilfe - für Frauen, Familien, Kinder und die Menschen, die sie betreuen.
Wir bereiten eine Verfassungsbeschwerde gegen Gewalt und strukturelle Missstände in der Geburtshilfe vor. Die Einreichung ist für das erste Quartal 2026 vorgesehen; die inhaltliche Vorbereitung läuft seit zwei Monaten. Seit November 2025 haben wir bereits eine andere Beschwerde in diesem Themenfeld unterstützt. Nun werden Gerechte Geburt e. V. und Vorstand Mascha Grieschat erstmals selbst eine eigene Beschwerde einreichen, um staatliche Schutzpflichten und mangelhafte Rahmenbedingungen in der Geburtshilfe grundrechtlich prüfen zu lassen.
Wir wollen klären lassen, ob der Staat seinen Schutzpflichten gegenüber Schwangeren, Gebärenden und Familien ausreichend nachkommt – und ob bestehende Rahmenbedingungen zusätzlich Grundrechte der betreuenden Fachpersonen verletzen. Wir sind davon überzeugt, dass dies der Fall ist. Hat die Beschwerde Erfolg, müssen die Grundrechte besser geschützt und konkrete Maßnahmen ergriffen werden.
Verschiedene Perspektiven sind unverzichtbar, um im Detail sichtbar zu machen, wo und in welchem Ausmaß Grundrechte verletzt werden – bei Familien ebenso wie bei den Menschen, die sie begleiten. Hier gibt es mehr Informationen zum Mitmachen:
➡️ Für Betroffene & Angehörige
➡️ Für Fachpersonen und Institutionen
Wer Erfahrungen einbringen möchte – als betroffene Person, Angehörige:r oder Fachkraft oder als Institution/Organisation – kannst Bericht oder Stellungnahme an uns senden: verfassungsbeschwerde@gerechte-geburt.de
Alle Einsendungen werden vertraulich behandelt. Siehe dazu: Datenschutz zur Einreichung. Es handelt sich nicht um juristische Beratung, und das Bundesverfassungsgericht prüft keine Einzelfälle. Die Berichte dienen dazu, strukturelle Probleme und staatliche Schutzpflichtverletzungen sichtbar zu machen – nicht einzelne Fälle zu klären.
Sie bündeln Perspektiven aus Praxis und Erfahrung und werden, sofern geeignet und freigegeben, als Anlage mit der Beschwerde eingereicht.
Parallel zur Beschwerde entsteht eine „Gemeinsame Erklärung - Für eine verfassungsrechtliche Klärung und die Wahrung der Grundrechte in der Geburtshilfe“, die von Betroffenen, Fachpersonen, Vereinen und Institutionen mitgezeichnet werden kann. Wer sich hierzu nähere Informationen haben möchte, bitte eine E-Mail schicken.
Trotz jahrzehntelanger Hinweise, Petitionen und internationaler Verpflichtungen zahlreicher Organisationen, Fachpersonen und Betroffenen fehlt bis heute eine wirksame staatliche Schutzarchitektur in der Geburtshilfe – insbesondere gegen:
physische Gewalt
psychische Gewalt
sexuelle Übergriffe
fehlende Einwilligung
respektlose oder entwürdigende Behandlung
diskriminierende Strukturen
systemische Überlastung und Fehlanreize (Über-/Unterversorgung)
unzumutbare Arbeitsbedingungen für Fachkräfte (Personalmangel, Zeitdruck, ökonomische Vorgaben, fehlende Supervision)
Insgesamt fehlen wirksame staatliche Maßnahmen zur Prävention, Aufarbeitung und Sanktionierung.
Seit Jahren machen Betroffene – etwa im Rahmen der Roses Revolution – auf entwürdigende und vermeidbare Erfahrungen aufmerksam. Diese entstehen sowohl durch individuelles Fehlverhalten als auch durch strukturelle Bedingungen wie Personalmangel, ökonomischen Druck oder fehlende Aufklärung.
Gerechte Geburt versteht sich als unabhängige, gemeinnützige und mildtätige Organisation, die sich für die Rechte von Familien einsetzt.
Die Vorbereitung einer Verfassungsbeschwerde ist umfangreich und erfordert:
juristische Kommunikation und externe Expertise
Auswertung eingehender Berichte
Begleitung von Betroffenen
Dokumentation und Falldarstellungen
Öffentlichkeitsarbeit und Aufklärung über Rechte
fortlaufende Abstimmungen und Nachreichungen nach Einreichung
Gerechte Geburt ist gemeinnützig und mildtätig anerkannt. Spenden sind steuerlich absetzbar und ermöglichen uns, unabhängig und sorgfältig zu arbeiten.
Spenden ist über Betterplace möglich. Betterplace stellt auch eine Spendenbescheinigung aus. Dank der Unterstützung der Sparkasse Schleswig-Holstein, die alle Bearbeitungsgebühren übernimmt, kommen deine Spenden zu 100% bei uns an.
Jeder Beitrag hilft uns, diese Arbeit langfristig und verantwortungsvoll zu leisten – für gerechte, sichere und menschenwürdige Geburtshilfe.