Gerechte Geburt - Verein zur Förderung gerechter Geburtshilfe e. V. - Information, Aufklärung, Initiative
Gerechte Geburt - Verein zur Förderung gerechter Geburtshilfe e. V.- Information, Aufklärung, Initiative

Schritt für Schritt zur gerechten Geburt

Eine gerechte und selbstbestimmte Geburt beginnt damit, dass Schwangere und ihre Begleitpersonen gut informiert sind, ihre eigenen Bedürfnisse kennen und wissen, welche Rechte ihnen zustehen. Garantien gibt es nicht – aber es gibt viele Möglichkeiten, sich vorzubereiten und Entscheidungen bewusst zu treffen.

 

1. Wissen aufbauen

Informierte Entscheidungen sind die Grundlage für Selbstbestimmung. Hilfreich ist es, sich mit folgenden Themen vertraut zu machen:

  • dem physiologischen Geburtsprozess

  • möglichen Geburtsverläufen

  • geburtshilflichen Standards und Leitlinien

  • den eigenen Rechten (z. B. informierte Einwilligung, körperliche Selbstbestimmung, Begleitung)

  • den Abläufen am gewählten Geburtsort

Seriöse Informationsquellen können Hebammen, Fachliteratur, Beratungsstellen oder qualifizierte Online‑Angebote sein.

 

2. Frühzeitig Betreuung sichern

Eine kontinuierliche Betreuung durch eine Hebamme – in der Schwangerschaft, unter der Geburt oder im Wochenbett – kann Sicherheit geben. Hebammen sind die Fachfrauen für Schangerschaft und physiologische Geburten, Ärztinnen und Ärzte werden bei der Geburt in der Regel bei Komplikationen hinzugezogen. Auch Gespräche mit Ärzt*innen oder anderen Fachpersonen können helfen, individuelle Fragen zu klären.

 

3. Eigene Bedürfnisse und Grenzen klären

Jede Geburt ist individuell. Hilfreiche Leitfragen sind:

  • Was brauche ich, um mich sicher zu fühlen?

  • Welche Formen der Unterstützung wünsche ich mir?

  • Welche Interventionen möchte ich nur nach ausführlicher Aufklärung?

  • Welche Geburtspositionen oder Rahmenbedingungen sind mir wichtig?

Diese Klarheit hilft, Entscheidungen zu treffen – auch wenn der Verlauf sich verändert.

 

4. Emotionale Vorbereitung

Schwangerschaft kann Freude, Vorfreude, aber auch Unsicherheiten oder Ängste auslösen. Es kann entlastend sein:

  • Sorgen anzusprechen

  • Unterstützung zu suchen

  • sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen (Wie wurde ich selbst geboren, wie waren meine anderen Geburten)

  • Beratungsangebote zu nutzen, wenn Belastungen bestehen

Emotionale Vorbereitung, dazu gehört auch das sogenannte Mindset, ist ein wichtiger Teil der Geburtsvorbereitung.

 

5. Austausch und Unterstützung

Gespräche mit anderen werdenden Eltern, Kursleitungen oder vertrauten Personen können Orientierung geben. Wichtig ist nicht „viel hilft viel“, sondern: Was hilft mir persönlich?

 

6. Geburtsvorbereitungskurse

Kurse können helfen, Abläufe zu verstehen, Fragen zu klären und Sicherheit zu gewinnen. Wichtig ist eine qualifizierte, aktuelle und seriöse Vermittlung von Inhalten.

 

7. Rechte und Entscheidungsräume verstehen

Geburtsverläufe können sich verändern. Umso wichtiger ist es, Entscheidungsräume und Rechte zu kennen. Jede Untersuchung, jede Maßnahme ist grundstätzlich vom Gesetz her zunächst ein Angebot und bedarf der Aufklärung und Zustimmung. Dies muss man teils einfordern, teils ist es vom geburtshilflichen Personal ganz selbstverständlich so vorzugehen.

 

Hilfreiche Fragen sind:

  • Warum wird eine Maßnahme vorgeschlagen?

  • Welche Alternativen gibt es?

  • Was passiert, wenn zunächst abgewartet wird?

  • Welche Nutzen und möglichen Nebenwirkungen hat die Maßnahme?

  • Wie wird meine Einwilligung eingeholt?

Diese Fragen unterstützen eine informierte Entscheidung – unabhängig davon, ob es um eine vaginale Geburt, operative Unterstützung oder einen Kaiserschnitt geht.

 

8. Geburtsplan als Orientierung

Ein Geburtsplan kann helfen, Wünsche zu formulieren und Prioritäten zu klären. Er ist kein starres Dokument, sondern eine Orientierungshilfe für:

  • Bedürfnisse

  • Grenzen

  • Kommunikationswünsche

  • Begleitpersonen

  • Umgang mit Veränderungen

Wichtig ist, dass er flexibel bleibt und als Gesprächsgrundlage dient.

 

9. Kommunikation mit dem geburtshilflichen Team

Eine gute Zusammenarbeit entsteht, wenn Wünsche klar kommuniziert werden. Hilfreich ist:

  • Wünsche frühzeitig anzusprechen

  • Rückfragen zu stellen

  • Begleitpersonen einzubeziehen

  • Entscheidungen gemeinsam zu treffen

Viele Teams leisten hervorragende Arbeit – klare Kommunikation unterstützt sie dabei.

 

10. Mutter und Baby als Team

Eine gerechte Geburt stärkt sowohl die Mutter als auch das Kind. Wenn Gebärende respektvoll behandelt werden, sich sicher fühlen und ihre Rechte gewahrt werden, profitieren beide.

 

11. Vertrauen in die eigenen Entscheidungen stärken

Eine gerechte Geburt bedeutet nicht, dass alles planbar ist – sondern dass Gebärende in ihren Entscheidungen ernst genommen werden (auch sich selbst ernst nehmen). Vertrauen in den eigenen Körper, in das eigene Wissen und in die eigene Stimme ist ein wichtiger Teil davon. Wer gut informiert ist, klar kommuniziert und Unterstützung an seiner Seite hat, schafft die besten Voraussetzungen für eine sichere und respektvolle Geburtserfahrung.

 

 

Stand: 25.02.2026

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